Luftfahrt-EisenachGeschichteÄra Sowjetarmee

Ära Sowjetarmee

Die Nutzung des Kindels durch die sowjetische Armee

Der Flugplatz Eisenach-Kindel. Die Sicht entspricht dem Blick eines Piloten, der aus Richtung Osten anfliegt. Auf dem linken Bild am unteren Bildrand  ist die so genannte DHS-Stellfläche zu sehen. Der ehemalige Eisenbahn-Bahnhof ist vollständig überwuchert, allerdings sind alle Schienen noch vorhanden.
Der Flugplatz Eisenach-Kindel. Die Sicht entspricht dem Blick eines Piloten, der aus Richtung Osten anfliegt. Auf dem linken Bild am unteren Bildrand ist die so genannte DHS-Stellfläche zu sehen. Der ehemalige Eisenbahn-Bahnhof ist vollständig überwuchert, allerdings sind alle Schienen noch vorhanden.
Der Flugplatz Eisenach-Kindel. Die Sicht entspricht dem Blick eines Piloten, der aus Richtung Osten anfliegt. Auf dem linken Bild am unteren Bildrand  ist die so genannte DHS-Stellfläche zu sehen. Der ehemalige Eisenbahn-Bahnhof ist vollständig überwuchert, allerdings sind alle Schienen noch vorhanden.
Der Flugplatz Eisenach-Kindel. Die Sicht entspricht dem Blick eines Piloten, der aus Richtung Osten anfliegt. Auf dem linken Bild am unteren Bildrand ist die so genannte DHS-Stellfläche zu sehen. Der ehemalige Eisenbahn-Bahnhof ist vollständig überwuchert, allerdings sind alle Schienen noch vorhanden.
Laut dem vier Mächte-Abkommen erschienen 1946 die Sowjets auf dem Kindel und waren fortan Hausherr. Im Jahre 1955 wurde der heutige Flugplatz Kindel in fast unmittelbarer Nähe des alten Flugplatzes Wenigenlupnitz erbaut. Daran sollen zum Teil bis zu 800 Arbeitskräfte beteiligt gewesen sein, unter anderem auch die Firma "Reichsbahn-Bauunion", nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen, aber wesentlich kleineren Firma aus Eisenach. Die Bauausführung des Platzes entsprach der sowjetischen Vorgabe einer vorgeschobenen Einsatzbasis im Kriegsfall. Zu keiner Zeit waren auf dem Kindel während der Zeit der Sowjets irgendwelche Flugzeuge fest stationiert. Nur seltene Flüge der sowjetischen Militärführung und öfters Kampf- und Transporthubschrauber vom Typ Mi-8, Mi-9, Mi-6 und Mi-24 waren zu verzeichnen. Aber auch hier gibt es keine genauen Informationen. So soll im Jahre 1960 ein sowjetischer General mit einer IL-18 auf dem Flugplatz geweilt haben.

Der Flugplatz in Wenigenlupnitz, schon im 2.Weltkrieg durch die Reichsluftwaffe genutzt wurde, entsprach in den Nachkriegsjahren nicht mehr den Anforderungen des Flugbetriebes. So wurde 1955 unter Bauleitung der Firma Bauunion einer neuer Flugplatz geschaffen. Mit einer Rollbahnbreite von 60 Metern und einer Länge von etwa 2200 Metern war der neue Flugplatz zur damaligen Zeit sehr Modern. Jedoch wurde der Flugplatz auf dem Kindel nur sehr selten benutzt. Außer von 1959 bis 1961, wo die Deutsche Lufthansa der DDR und die Interflug den Flugplatz als Ausweich-Objekt für den im Umbau befindlichen Flughafen Erfurt-Bindersleben benutzte, war kein regelmäßiger Flugbetrieb zu beobachten. Gesichert ist, das zur Zeit des zivilen Flugbetriebes 1959-61 sowjetische Militärflugzeuge der Typen Antonow AN-8, AN-12, Lisunow Li-2 sowie Hubschrauber MiL Mi-4 und der sowjetische Doppelrotorhubschrauber Jakowlew Jak-24 gesehen wurden. Weiterhin flogen auch militärische Flugzeuge der DDR den Platz an, genauer gesagt handelte es sich um Iljuschin IL-14 der Regierungsflugstaffel. Zum Manöver Oktobersturm 1965 soll der Platz ebenfalls von sowjetischen Transportern der Typen AN-8 und An-12 benutzt wurden sein. Bis zum Abzug der Russen waren aber oft Hubschrauber auf dem Platz, der Autor dieser Seite ist Augenzeuge. Dabei handelte es sich um Hubschrauber der Typen Mil Mi-8 und MiL Mi-24. Seltener wurde der Mi-6 gesehen. Allerdings war zu Beginn der 1980er Jahre ein Manöver, wo man etwa 30 Mi-8 und 2 Mi-6 gesichtet hat, die aus Richtung Süden den Platz anflogen und dabei den Osten der Stadt Eisenach tangierten. Trotzdem wurden keine Bordnummern erkannt - oder nicht darauf geachtet. Den Flugplatz Kindel anfliegende Hubschrauber flogen von dort Einsätze bei Manövern zum Bodenziel-Schiessen auf dem Kindel und auf dem TÜP Ohrdruf. Im Sprachgebrauch der Russen hieß der Platz Flugplatz Haina und hatte den Funkruf-Namen "Führer".

Bekannte kurzeitige Belegungen durch sowjetische Luftfahrtzeuge

06.1962 MiG-17 Jagdbomber der 497. ibap der GSSD/WGT
09.1962 Hubschrauber Jakowlew Jak-24 und MiL Mi-4 der GSSD/WGT
09 bis 10.1963 Jagdflugzeuge, vermutlich MiG-21 der 296. iap der GSSD/WGT
10.1965 MiG-17 Jagdbomber der 730. ibap der GSSD/WGT im Rahmen des Manövers "Oktobersturm"
21.06.1970 Reiseflugzeug Champion 7 FC Tri Traveller mit dem Kennzeichen D-ENTY aus der BRD nach dem Einflug auf DDR-Staatsgebiet zur Landung gezwungen. Details zu sowjetischen Luftfahrtzeugen unbekannt.
13.10.1985 Cessna 150 mit dem Kennzeichen D-ECNV nach unerlaubten Einfliegen in die DDR zur Landung gezwungen durch Mi-8TW und Mi-24 Hubschrauber des 336 obwp, die vom Flugplatz Nohra bei Weimar gestartet waren. Bildbericht in Kürze auf Luftfahrt-Eisenach.
04.1990 MiG-25 Aufklärer der 931.ogw.rap der GSSD/WGT
Gelegentlich sollen auch Jagdflugzeuge der LSK/LV der NVA am Platz gewesen sein. Leider liegen keine Details dazu vor.

Einziger ziviler Nutzer ab dem Ende der 1970er Jahre und in den 1980er Jahren war die Interflug-Agrarstaffel. Dabei gab es auch einen "Beinahe-Abschuss". Auf dem Gelände des Truppen-Übungsplatz (TÜP) befand sich ein Munitionslager. Der aus einem sehr abgelegenen Dorf im Kaukasus stammende junge sowjetische Soldat, der das Objekt bewachte, und neu auf dem Kindel war, sah ein "gelbes Flugzeug" (Z-37) und war der Auffassung, das wäre ein Spionageflugzeug und gab 90 (!) Schuss MG-Feuer auf die Maschine ab. Glücklicherweise wurde dabei nur das Seitenruder des Flugzeuges beschädigt...

Bekannt ist nur, das der Flugplatz der 8.Gardearmee in Weimar unterstanden haben soll. Bei Weimar, in Nohra, gab es auch einen großen Hubschrauber-Flugplatz. Es gibt aber Berichte von Leuten, die in der Nähe wohnen, dass neben den Hubschraubern auch Transportflugzeuge sehr sporadisch das Flugfeld benutzten. Dies konnte jedoch bisher nicht bewiesen werden, allerdings auch nicht entkräftet werden. Aber es erscheint unlogisch, wenn in hervorragendes Flugfeld nicht benutzt würde, und wenn es nur darum ging, den jährlichen Truppenaustausch zu unterstützen.

Übrigens gab es am Kindel einen weiteren Flugplatz. Ab Anfang der 1980er Jahre entstand im Bereich der Garnison ein Hubschrauberlandeplatz. Der Hubschrauberlandeplatz 872, wie dieser Platz bei der GSSD/WGT hieß, bot Platz für gleichzeitig 4 Hubschrauber Mi-8. Diese Plätze, es gab DDR-weit sehr viele solcher Landeplätze, dienten dem Transport hochgestellter Militärangehöriger. Der Hubschrauberlandeplatz 872 existiert heute nicht mehr. Auf dem Gelände befindet sich heute eine Fabrikhalle.

Bilder zum militärischer Flugbetrieb auf dem Kindel gesucht

An-2
An-2
An-2
An-2
Erzählen tun die Leute viel. Allerdings hat der Autor bis heute kein Bild gesehen, das den militärischen Flugbetrieb auf dem Flugplatz Kindel zeigt, wenn man einmal absieht von der Zeit der zivilen Nutzung zwischen 1959 und 1961. Da reichen die Erzählungen von "viel los", bis "nie was los". Die Wahrheit wird, wie immer, in der Mitte liegen. Die Bilder oben mit der AN-2 sind nachgestellt. Allerdings zeigen sie eine AN-2, die durch die sowjetische Luftwaffe in Zerbst tatsächlich genutzt wurde und 1992 in deutsche Hände gelangte.
Diese AN-2 ist öfters in Eisenach und hat ihre Heimatbasis in Alkersleben.
An-26
An-26
An-30
An-30
Ebenso wie die An-2 Aufnahmen, die wir notwendigerweise nachgestellt haben, sind auch die Bilder der Antonow-Transportmaschinen nicht echt. Bitte haben Sie für diese Maßnahme Verständnis.

Sehr viel aus den Zeiten der Sowjet-Armee sieht man auf dem Kindel nicht mehr. Nach Abzug der russischen Truppen wurden unter anderem durch ABM-Kräfte der Truppenübungsplatz Re-Naturisiert. Zwischen den Bäumen kann man zum Teil noch Fundament-Reste sehen. Vom Bahnanschluss sind alle Schienen und Weichen noch Vorhanden und teilweise funktionsfähig! Auch viele betonierte Fahrwege sind noch vorhanden.
Sehr viel aus den Zeiten der Sowjet-Armee sieht man auf dem Kindel nicht mehr. Nach Abzug der russischen Truppen wurden unter anderem durch ABM-Kräfte der Truppenübungsplatz Re-Naturisiert. Zwischen den Bäumen kann man zum Teil noch Fundament-Reste sehen. Vom Bahnanschluss sind alle Schienen und Weichen noch Vorhanden und teilweise funktionsfähig! Auch viele betonierte Fahrwege sind noch vorhanden.

Platzschema

Platzschema
Platzschema

Zeitzeugen erinnern sich

Jörg-Uwe Graber aus Erfurt:
...zum Künkel fällt mir noch ein , der Platz war etwas geheimnisvoll, da nicht für jeden zugängig, für uns sehr komfortabel (Beton ohne Ende, sehr schön gelegen und keine lästigen Besucher). Wenn im Frühjahr alle Plätze abgesoffen waren, konnte man mit der Z-37 wenigstens die umliegenden Bauern mit einer Stickstoffgabe beglücken. Folgende Episode ist mir noch in Erinnerung, die Agrarflugbrigade des Flugplatzes Bad Langensalza hatte natürlich auch einen Aufenthaltswagen. Am Wochenende verblieb selbiger auf dem Flugplatz Künkel, es konnte ja nichts wegkommen , da Sperrgebiet. Am Montag fanden wir jedoch besagten Wagen aufgebrochen vor, es fehlten weder Werkzeug noch Kaffee und Geschirr. Lediglich der Wandschmuck in Form von Aktfotos aus dem Magazin war säuberlich demontiert worden.
Bernhardt Pethe, Steinbach:
Am 04.04.1977 sind wir mit der DM-SSY auf dem Kindel gelandet. Schon beim Überflug der SLB viel uns ein PKW auf, der auf der Bahn immer eine vorgezeichnete 8 abfuhr. Als wir gelandet waren, und wir uns das Treiben näher bertrachten wollten, wurde das Fahrzeug schnell auf einen bereitstehenden Transportwagen geschoben, mit einer Plane abgedeckt und sich schnellstens entfernt. Die Mitarbeiter der LPG sagten uns dann, das AWE hier abgeschirmt durch russische Truppen, Testfahrten veranstaltet.

Relikte aus der Zeit der Sowjetarmee

Die meisten Betonstrassen sind noch heute erhalten und befahrbar. Gebäude aus der Sowjet-Zeit sind nicht mehr vorhanden. Die Kindelbahn, obwohl ab Friedrichswerth abgebaut, ist aber noch vorhanden. Wenngleich die Schienen sehr Stark zu gewachsen sind, scheinen diese in Ordnung zu sein. Die Weichen sind funktionstüchtig.