Luftfahrt-EisenachGeschichteZeitzeugen

Zeitzeugen zur Geschichte des Flugplatz Eisenach-Kindel

Hellmut Munk, damals Bordfunker auf der IL-14 der Deutschen Lufthansa der DDR:

Die schönsten Erlebnisse als geborener Thüringer und Kriegswaise von Eisenach aus, waren zwischen den Linienflügen die in den Zwischenlandezeiten von uns eigentlich nicht so geliebten Rundflüge über dem Harz und Thüringer Wald. Mit dem immer mehr verschärften kalten Krieg, heute geradezu unglaublich: Start mit immer vollen IL-14 in Eisenach meist Richtung Inselsberg. Schulklassen mußten immer zu ihren Heimatorten links und rechts des Rennsteigs, ältere wurden sogar über die "Zonengrenze" zur Wasserkuppe im Sichtflug propellert. Für mich unvergesslich: ein Rundflug aus Eisenach nach Schmalkalden, im Tiefflug über meinen alten Lehrbetrieb für Feinprüf-Optiker bzw. Feinmechaniker, mit mehr als 30 Grad Schräglage hinüber in mein Heimathaseltal von Steinbach-Hallenberg (mein Geburtsort). Heute wirklich unglaublich, die damals an Bord gewesene Schulklasse hat das nach vielen Jahrzehnten immer noch nicht vergessen. Rundflüge aus Eisenach endeten immer mit einer dreifachen Ehrenrunde um die Wartburg.

Horst Materna, damals Pilot bzw. Kapitän auf der IL-14 bei der Lufthansa der DDR

Horst Materna:
Der Manöverflugplatz gehörte zum Truppenübungsplatz Künkel und wurde auch von Antonow An-8 (selbst gesehen) angeflogen. In der Regel diente er aber nur der Verlegung von Truppenteilen und Technik zu Trainingszwecken bzw. bei Großraummanövern.
Wir flogen ganz normal in der Luftstrasse Berlin - Erfurt, sanken dann auf das Haupteinflugzeichen von Bindersleben auf 300 m Höhe und flogen mit Sollkurs 271 Grad die Ortschaft Haina an. Dort bzw. wenn der Platz in Sicht war, wurde visuell angeflogen. Die Landung erfolgte in der Regel auf der Bahn 28, der Start in Richtung 10 - wenn es die Windstärke nicht zuließ, dann auch entgegen gesetzt. Dabei mussten aber die Kurven sehr eng und steil geflogen werden, um den Grenzstreifen nicht zu verletzen. Die Flugüberwachung und die Grenzsicherung waren natürlich über unsere An- und Abflugzeiten informiert.
Später wurde bei Haina ein mobiles ungerichtetes Funkfeuer aufgestellt, um einmal die Regelmäßigkeit der Flüge nicht zu gefährden und andererseits zu verhindern, dass sich mal eine Maschine "verirrte". Grundsätzlich galt, wenn eine unsichere Fluglage, sprich drohender Orientierungsverlust, eintrat, dann sofort auf Ostkurs gehen und Erfurt anfliegen!Die Bodenabfertigung erfolgte auf der heutigen Ramp 1. Mein erster Flug nach Eisenach war übrigens am 14. November 1959 mit der IL-14 DM-SAG. Kommandant war Erhard Kosel, ich flog als Copilot.
Mein letzter Flug (schon als Kommandant) mit Übernachtung war am 28. April 1961 mit Abflug am 29. April früh. Am 2. Mai 1961 bin ich bereits wieder in Erfurt angeflogen. Nach Studium meines Flugbuchs stelle ich fest, dass es in Eisenach auch einen Night-stop für uns (Die DLH/H.T.) gab. Ich bin mir aber nicht mehr sicher, wo wir in Eisenach übernachtet haben. Auf jeden Fall war im Winterflugplan 1960/61 ein morgendlicher Abflug aus Eisenach drin. Zu Ihrer Frage bezüglich der Flüge der NVA nach Eisenach kann ich Ihnen bestätigen, dass die IL-14 der Regierungsstaffel in der fraglichen Zeit mehrmals Eisenach angeflogen haben.

Jörg Uwe Graber, Erfurt ehemaliger Flugzeugmechaniker der Interflug-Agrarflugstaffel

Jörg Uwe Graber:
Der Platz war etwas geheimnisvoll, da nicht für jeden zugängig, für uns sehr komfortabel (Beton ohne Ende, sehr schön gelegen und keine lästigen Besucher). Wenn im Frühjahr alle Plätze abgesoffen waren, konnte man mit der Z-37 wenigstens die umliegenden Bauern mit einer Stickstoffgabe beglücken.
Folgende Episode ist mir noch in Erinnerung: Die Agrarflugbrigade des Flugplatzes Bad Langensalza hatte natürlich auch einen Aufenthaltswagen. Am Wochenende verblieb selbiger auf dem Flugplatz Künkel, es konnte ja nichts wegkommen , da Sperrgebiet.
Am Montag fanden wir jedoch besagten Wagen aufgebrochen vor, es fehlten weder Werkzeug noch Kaffee und Geschirr. Lediglich der Wandschmuck in Form von Aktfotos aus dem Magazin war säuberlich demontiert worden.

Bernhardt Pethe, Steinbach, ehemaliger Flugzeugmechaniker der Interflug-Agrarflugstaffel

Bernhard Pethe:
Am 04.04.1977 sind wir mit der DM-SSY auf dem Kindel gelandet.
Schon beim Überflug der SLB viel uns ein PKW auf, der auf der Bahn immer eine vorgezeichnete 8 abfuhr. Als wir gelandet waren, und wir uns das Treiben näher bertrachten wollten, wurde das Fahrzeug schnell auf einen bereitstehenden Transportwagen geschoben, mit einer Plane abgedeckt und sich schnellstens entfernt.
Die Mitarbeiter der LPG sagten uns dann, das AWE hier abgeschirmt durch russische Truppen, Testfahrten veranstaltet.
Übrigens wurde eine Z-37 von einem übereifrigen Posten "abgeschossen". Nach der auf dem Künkel durchgeführten Notlandung wurde festgestelllt, daß der Gabelkopf des Trimmruders weggeschossen war. Der russische Posten war recht neu in der DDR und kannte den Flugzeugtyp Z-37 überhaupt nicht.
Es wurde ihm auch von seinen Vorgesetzten darüber nichts erzählt. So kam es, dass er bei seinem Wachdienst, den er sehr ernst genommen hat, das überfliegende Flugzeug mit einem Feuerstoß bedachte.
Glücklicherweise traf aber nur ein Schuss. Der Agrarflug nutzte auch noch den Hubschrauberflugplatz in Nohra mit Z-37.