Zwischenfälle vor 1939

Notlandung des Zeppelin L-55 bei Tiefenort

Datum: 20.10.1917
Art des Zwischenfalls: Notlandung
Unfallort: Tiefenort
Ursache: Orientierungsverlust
Luftfahrzeug-Kennzeichen: L55
Hersteller: Zeppelin, Werft Löwenthal
Werk-/Bau-Nummer: LZ-101
Luftfahrzeugart: Starr-Luftschiff
Luftfahrzeug-Typ: Zeppelin Typ V / LZ-101
Betreiber: Deutsche Marine
Insassen (Besatzung): ?
Insassen (Passagiere): ?
Opfer: Keine

Unfallhergang

L55 war ein Luftschiff der Deutschen Marine, deshalb weicht die Bezeichnung von der des Herstellers ab. Während des ersten Weltkrieges wurden mit diesem Luftschiff lediglich zwei Angriffe geflogen, wobei am 01.09.1917 und am 19.10.1917 jeweils 5450 kg Bomben angeworfen wurden. Beim zweiten Angriff auf Groß-Britannien wurde das Luftschiff durch feindlichen Beschuss beschädigt. Durch das Gewinnen von Höhe versuchte man, sich in Sicherheit zu bringen. Das Zeppelin stieg dazu auf 7500 Meter Höhe, ein noch heute gültiger Weltrekord. Dabei fiel offenbar das Funkgerät aus. Auch die Navigationsinstrumente funktionierten nicht mehr und man verlor somit die Orientierung. Als es Nacht wurde, wagte die Besatzung unter Kapitänleutnant Flemming eine Notlandung in Tiefenort, nahe Bad Salzungen im heutigen Wartburgkreis auf der Gemarkung "Auf der Wacht". Das Luftfahrzeug war so stark beschädigt, das es kurz nach der Notlandung abgewrackt wurde. Heute erinnert ein 1937 eingeweihtes Denkmal, der Zeppelinstein, an dieses Ereignis.

Beschreibung des Luftfahrzeuges

L55 ist ein Marine-Luftschiff und hat deshalb eine vom Hersteller abweichende Bezeichnung. Es ist ein großes, echtes Starrluftschiff mit Gasfüllung. Mit einer Gesamtlänge von 196,5 Metern ist es zweieinhalb mal so lang wie beispielsweise eine Boeing 747.

Technische Daten des Luftfahrzeuges

Länge: 196,5 m
Durchmesser: 23,9 m
Volumen: 6.000 m³
Anzahl der Gaszellen: 14
Leermasse: 24.289 kg
Nutzmasse: 39.619 kg
Motorenzahl: 5
Motorleistung: 240 PS
Gesamtleistung: 1200 PS
1.Fahrt: 01.09.1917
Außerdienststellung: 20.10.1917
Kommandant: Kapitänleutnant Flemming
Bauwerft: Löwenthal
Geschwindigkeit: 28.9m/s = 104km/h

Flugzeugabsturz bei Floh-Seligenthal

Datum: 22.04.1927
Art des Zwischenfalls: Absturz
Unfallort: Floh-Seligenthal
Ursache: Triebwerksausfall
Luftfahrzeug-Kennzeichen: D-729
Hersteller: Fokker-Grulich
Werk-/Bau-Nummer: 1567
Luftfahrzeugart: Kleinflugzeug
Luftfahrzeug-Typ: FG III
Betreiber: Deutsche Lufthansa
Insassen (Besatzung): 1
Insassen (Passagiere): 1
Opfer: 2

Unfallhergang

Absturz durch Triebwerksschaden. Keine weiteren Informationen bekannt.

Beschreibung des Luftfahrzeuges

Der Niederländer Anthony Fokker baute seine Flugzeuge zunächst in Schwerin in Deutschland, weshalb Fokker zu dieser Zeit als deutscher Hersteller gilt. Die Fokker F-III war das zweite zivile Flugzeugmodell der Firma. Der Prototyp der F-III entstand noch in Deutschland, die Serienproduktion erfolgte jedoch schon in den Nederlandsche Vliegtuigenfabriek. Erstflug des kleinen Flugzeugs erfolgte im Jahre 1921. Erstkunde war die KLM. Die einmotorige Maschine hatte ein offenes Cockpit und Platz für 5 Passagiere. Als Triebwerk kamen beim Prototyp das 138 kW leistenden BMW-IIIa zum Einsatz. Die Serienmodelle für KLM erhielten einen Armstrong Siddeley Puma mit 179 kW. Weitere Kunden nutzen auch Flugmotoren von BMW oder den 172 kW starken Hiero. Die letzten ausgelieferten Exemplare waren mit einem 268 kW leistenden Rolls-Royce Eagle-Triebwerk ausgerüstet. In Berlin-Staaken wurden bei Grulich 20 Flugzeuge in Lizenz als FG-III gebaut. Ursprünglich für Aero-Loyd bestimmt, kamen die Flugzeuge in den Besitz der Deutschen Lufthansa.

Technische Daten des Luftfahrzeuges

Besatzung: 1
Passagiere: 5
Länge: 11,07 m
Spannweite: 17,62 m
Höhe: 3,66 m
Flügelfläche: 39,1 m²
Leermasse: 1200 kg
Startmasse: 2000 kg
Reisegeschwindigkeit: 135 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Reichweite: 650 km
Triebwerke: ein wassergekühlter Sechszylinder-Reihenmotor Armstrong Siddeley Puma mit 179 kW

Flugzeugabsturz bei Tabarz

Datum: 01.11.1936
Art des Zwischenfalls: Absturz
Unfallort: Nahe der Stadt Tabarz
Ursache: Unbekannt
Luftfahrzeug-Kennzeichen: D-APOO
Hersteller: Junkers
Werk-/Bau-Nummer: 5506
Luftfahrzeugart: Verkehrsflugzeug
Luftfahrzeug-Typ: JU-52/3m
Betreiber: Deutsche Lufthansa
Insassen (Besatzung): 4
Insassen (Passagiere): 11
Opfer: 11 (Besatzung 4, Passagiere 7)

Unfallhergang

Die D-APOO befand sich auf dem Flug von Frankfurt nach Berlin mit Zwischenlandung in Erfurt. Die Maschine war im Sinkflug auf Erfurt und bereits unterhalb der Wolkendecke. Die Erfurter Flugsicherung peilte die Position von D-APOO versehentlich um 180 Grad verkehrt Daraufhin identifizierte der Lotse die D-APOO fälschlicherweise mit einem anderen, zufällig den Platz überfliegenden Flugzeug. Diese Maschine war hörbar, allerdings nicht sichtbar, da sie über der Wolkenuntergrenze von 400 m flog. Dabei handelte es sich um eine Ju-52/3m der Luftwaffe, deren Flug der Erfurter Flugsicherung allerdings nicht gemeldet worden war. Zur gleichen Zeit war ein drittes Flugzeug zu Landung in Erfurt freigegeben. Da der Fluglotse die D-APOO nun im direkten Anflug vermutete, befürchtete er einen sich anbahnenden Konflikt mit der bereits anfliegenden Maschine. Aus diesem Grund wies er die D-APOO an, ein Fehlanflugverfahren (Durchstart-Manöver) einzuleiten. Die D-APOO startete durch, war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch weit vom Flughafen entfernt. Ausgehend von der fälschlich angenommenen Position, begann nun der Fluglotse, die D-APOO mit Kursanweisungen zur Landung zurückführen. Daraufhin wurde die D-APOO in den Steigflug gebracht und eine steile Kurve auf den neuen Kurs ausgeführt. Wenig später flog das Flugzeug in die Wolkendecke ein, kollidiert kurz darauf mit Baumkronen und stürzte in ein Waldgebiet. Dabei riss die rechte Tragfläche ab und das Flugzeug geriet teilweise in Brand. Der Brand vernichtete die vordere Rumpfhälfte und beide Tragflächen.

Beschreibung des Luftfahrzeuges

Es handelt sich hierbei um einen klassischen Fall von gesteuertem Einflug ins Gelände (mit einem technisch einwandfreien Flugzeug). Dieser Unfallart, Controlled Flight into Terrain (CFIT), ist in den letzten zwanzig Jahren höchste Aufmerksamkeit geschenkt worden. Erst seit wenigen Jahre existiert eine Warnanlage, die diese Art von Unfällen wirksam verhindern kann: das EGPWS oder Enhanced Ground Proximity Warning System. Dabei wird die exakte Positionsbestimmung durch GPS mit einer weltweiten Gelände- und Hindernis-Datenbank kombiniert. Somit lässt sich zuverlässig voraussberechnen, ob ein Flugzeug unter Beibehaltung des gegenwärtigen Flugwegs Gefahr läuft, mit dem Gelände oder einem Hindernis zu kollidieren.

Technische Daten des Luftfahrzeuges

Datenblatt

Quellen

  • Thomas Funke, Luxemburg