Bruchlandung Z-126
Zusammenfassung
| Unfalldatum | 1958 |
| Unfallort | Flughafen Erfurt-Bindersleben |
| Unfallart | Absturz |
| Unfallursache |
Unterschreitung der Mindestflughöhe |
| Opfer |
2 Leichtverletzte |
| Luftfahrzeugkennzeichen |
DM-WAH |
| Luftfahrzeughersteller |
Moravan Aviation, CSSR |
| Luftfahrzeugtyp |
Zlin Z-126T Trener |
| Luftfahrzeugart |
Sportflugzeug, Einmotorig Propeller |
| Luftfahrzeugwerknummer |
? |
| Halter/Betreiber |
NVA |
| Luftfahrzeugbeschädigungen |
Totalschaden |
Wenn aus Spass Ernst wird...
Wo Licht, da auch Schatten. Während des Flugbetriebes der NVA kam es auch zu einem Unfall in Erfurt. Dabei wurde eine Kunstflugmaschine vom Typ Zlin Z-126 "Trener" mit dem Kennzeichen DM-WAH zerstört.Was war geschehen?
Bericht von Erich MantheyIn der Einflugschneise zur 28, etwa 600 Meter vor der Schwelle befanden sich damals Gärten. Eine Einheit der NVA übte an diesem Tage in dieser Gegend. Der Flugzeugführer sah einen Soldaten mit Funkgerät, der sich an der südwestlichen Gartenecke getarnt hatte. Diesen Soldaten wollte er erschrecken!
Wir, Gerhard Walther aus Nordhausen und ich, befanden uns am Holzhaus und arbeiteten an einem Transportanhänger. Da erschreckte uns der sehr tiefe Überflug des Treners. Ein Fahnenmast, den der Pilot übersehen hatte, ließ den Flug dort schon fast in einer Katastrophe enden. Die Maschine verfehlte ihn knapp, flog weiter in östliche Richtung und nahm wieder Höhe auf. Etwa 500 m vom Platz kurvte sie mit großer Schräglage nach links und ging aus dieser Richtungsänderung sehr steil nach unten. Wir hörten, dass der Flugzeugführer das Gas ganz herausgenommen hatte. Da der Platz relativ hoch liegt, tauchte sie unter den Horizont. Kurz Vollgas, absolute Ruhe und dann ein Geräusch, als würde eine Blechdose zertreten, darauf endgültig Ruhe.
Wir „rasten“ mit unserem „Phäno“ Richtung vermuteter Aufschlagstelle.
Was wir zuerst sahen, das war einmal ein Zauneckpfahl. Die herumliegenden größten Stücke eigneten sich jetzt hervorragend als Anbrennholz für sehr kleine Öfen. Daneben stand ein Hauptmann der NVA. Ich habe weder früher noch später einen so erschrockenen und schockierten Menschen mit fast irrem Blick gesehen. Er stammelte nur immer: „Da ist was rein, da ist was rein.“ Dabei zeigte er in den Garten. Er versuchte, eine Zigarette in den Mund zu stecken. Er traf aber den Mund nicht. Das war grotesk! Wie sich später herausstellte, war das der Soldat, den der Pilot erschrecken wollte. Es war nicht zu übersehen, dass das gründlich gelungen war.
Das Erste, was wir im Garten erblickten, war ein Kirschbaum, der jetzt aus der vorderen Motorverkleidung des Trener, da wo eigentlich die Luftschraubenwelle sitzen sollte, herauswuchs. Dann lagen da weit verstreut die „Kleinteile“, die das obige Bild zeigt. Zehn Meter weiter wuchs eine von Öl triefende Rosenhecke. Davor ein Knäuel Blech, das – wie sich später herausstellte - einmal eine Tragfläche des Flugzeuges war.Als wir die Hecke überwunden hatten, sahen wir den Rest: Schrott! Doch was uns wie ein Wunder erschien, war wahr! Der Pilot hatte die Kabine schon verlassen und stand verstört, zitternd, handlungsunfähig aber fast unversehrt neben der zerstörten Maschine. Er hatte einen kleinen Kratzer im Schläfen- Stirnbereich.
Der Mechaniker, der mit an Bord war, saß noch immer, schon abgeschnallt, in seinem Sitz. Er versuchte hektisch, das Wrack zu verlassen. Vergeblich! Als wir helfen wollten, sahen wir, dass ein Ast den Rumpf im Bereich seines Sitzes von rechts nach links durchbohrt hatte. Wir waren entsetzt! Doch Entwarnung. Der Ast war genau zwischen Rücken und Fallschirm hindurchgegangen. Als wir den Fallschirm gelöst hatten, konnte er die Kabine mit eigener Kraft verlassen. Er hatte eine hässliche aber ungefährliche Wunde zwischen Kinn und Unterlippe. Ein Stück des zerfetzten Propellers hatte sie geschlagen. Holzsplitter, die in der Wunde steckten, waren der Beweis.
Jetzt hieß es nur noch, beide so schnell wie möglich von den Trümmern wegzubringen. Beide Tanks und der Ölbehälter waren beim Aufschlag geborsten. Trümmer, Umgebung und vor allem beide Besatzungsmitglieder waren vom Sprit durchnässt, der bei einer Temperatur von fast 30° rasend schnell verdunstete. Ein kleiner Funke hätte genügt! Den Motor fanden wir nach Hinweisen des Garteninhabers später etwa 60 m von der Aufschlagstelle entfernt im Gras.
Dummheit und maßlose Selbstüberschätzung hatten zur Katastrophe geführt. Ingenieurkunst und Qualität im Flugzeugbau gepaart mit viel Glück hatten jedoch das Schlimmste verhindert. Alle Sollbruchstellen hatten funktioniert, und der Sicherheitskäfig hatte gehalten.
Fotoalbum zum Artikel
Schlussbemerkung
Etwa 80 Meter vom Aufschlagspunkt entfernt befand sich eine Schulklasse auf dem Schulausflug.Die Rekonstruktion hat ergeben, dass der Hauptmann im Moment des Aufschlags der rechten Fläche
auf den Zaunpfahl mit seinem Funkgerät etwa 3 m davon entfernt gehockt hatte.
Text & Bildmaterial
- © Erich Manthey, Blankenburg/Harz, Deutschland




