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AN-2 - Technische Daten

Konstruktionsmerkmale

Einmotoriges Flugzeug mit Doppeldecker-Tragwerk. Klassisches Spornrad-Fahrwerk mit pneumatischen Bremsen. Gemischtbauweise aus Metall mit stoffbespannten Tragflächen und Leitwerk. Als Triebwerk kommt ein 9-Zylinder Sternmotor zum Einsatz, der elektrisch angelassen wird. Notfalls kann dieser auch mit einer Kurbel angelassen werden.
Die D-FONF in der Werft Kamenz vom NAYAK-Aircraft-Service. Noch sind recht viele
Die D-FONF in der Werft Kamenz vom NAYAK-Aircraft-Service. Noch sind recht viele
Drei Luftfahrttechnische Betriebe führen in der BRD Überholungen durch. Die D-FONF im Bild erhielt hier ein Erscheinungsbild der früheren Interflug.
Drei Luftfahrttechnische Betriebe führen in der BRD Überholungen durch. Die D-FONF im Bild erhielt hier ein Erscheinungsbild der früheren Interflug.

Monitor? Sidestick? Flight Management System? Fehlanzeige! Das Cockpit.

Recht rustikal geht es im Cockpit der AN-2 zu.
Recht rustikal geht es im Cockpit der AN-2 zu.
Blick auf die linke Steuersäule.
Blick auf die linke Steuersäule.

Ausgewählte Parameter der AN-2

  AN-2 AN-3 T-101 Грач (Grach)
Triebwerk 1x Stern-Motor
Schwezow ASch-62IR
1x Turboprop (PTL) TWD-20 1x Turboprop (PTL) TWD-20
Leistung 745 kW (1000 PS) 1050 kW (1430 Wellen-PS),
1375 PS (Propeller-Leistung)
1050 kW (1430 Wellen-PS),
1375 PS (Propeller-Leistung)
Höchstgeschwindigkeit 258 km/h (1750m Höhe) 260 km/h 300 km/h
250 km/h ökomomisch
Reichweite 900 km max. 1025 km max. 3000 km,
volle Nutzlast 700 km
Min.Startrollstrecke 170 bis 200 m ? ?
Min.Landerollstrecke 200 bis 300 m ? ?
Dienstgipfelhöhe 4400 m 5000 m 4000 m
Länge 12,74 m 14,00 m 15,06 m
Höhe 4,00 m 4,00 m 4,86 m
Spannweite 18,18 m (oben),
14,24 m (unten).
18,18 m (oben),
14,24 m (unten).
18,18 m
Flügelfläche 71,6 m² 71,6 m² 43,63 m²
Leermasse 3400 kg 3400 kg 3330 kg
Max. Startmasse 5500 kg 5800 kg 5250 kg
Kraftstoff-Vorrat 1200 Liter 1200 Liter 960 Liter
Nutzlast 1500 kg 2200 Kg ?
Besatzung 1-2 1-2 1-2
Passagiere 12 12 15

Geräumig: Der Rumpf

Der Rumpf der AN-2 ist eine klassische Halbschalenkonstruktion aus Metall. Hinter dem Cockpit befinden sich auf beiden Seiten jeweils 4 runde Fenster. Bei späteren Ausführungen der AN-2P ist zusätzlich auf der rechten Seite ein fünftes Fenster mit Notausstieg verbaut. Auf der linken Seite befindet sich ein größere Frachttür, in die gleichzeitig die normale Kabinentür integriert ist. 
Kabine einer frühen AN-2P.
Kabine einer frühen AN-2P.
Blick in die Kabine einer AN-2TD (D-FBJU)
Blick in die Kabine einer AN-2TD (D-FBJU)

Stoff & Metall: Die Tragflächen

Von außen für den Laien nicht zu erkennen, bestehen die Tragflächen der AN-2 hauptsächlich aus Metall und Stoff! Der Nasenkasten, also die Vorderkante, die Endleiste, also die Hinterkante, und die Randbögen, das sind die Tragflächenendstücke, bestehen aus Metall. Innen ist natürlich noch jeweils ein Holm aus Metall. Die Tragflächenbeblankung ist jedoch aus textilem Stoff. Verbunden sind die beiden Tragflächen mit jeweils einer dicken, doppel-T förmigen Strebe und Spannseilen. Die obere Tragfläche hat automatisch ausfahrende Vorflügel (Kleine Ruderflächen zur Vergrößerung des Auftriebs bei Verminderung der Geschwindigkeit bei der Landung) sowie Landeklappen und Querruder. Die untere Tragfläche hat nur Landeklappen. In der oberen Tragfläche befinden sich auch 3 Kraftstoffbehälter für maximal 1200 Liter Benzin. Zu guter letzt befindet sich in der unteren Tragfläche jeweils rechts und links ein Landescheinwerfer und zusätzlich rechts ein Rollscheinwerfer.
Das Höhenruder und das Seitenleitwerk ist ebenfalls stoffbespannt. 
Verstrebungen und Verspannungen.
Verstrebungen und Verspannungen.
Trotzdem gute Sicht nach draußen: Die Wachsenburg in Thüringen
Trotzdem gute Sicht nach draußen: Die Wachsenburg in Thüringen

Springt die nicht an? Ist die alte Maschine undicht?

Wenn eine AN-2, beispielsweise zu einem Flugtag, startklar gemacht wird, ist aus der Richtung unbedarfter Zaungäste oft zu hören, das "die alten Triebwerke undicht sind" oder Erklärungen wie: "Der will wohl nicht anspringen". Allerdings ist als Entschuldigung für die Beobachter anzufügen, das nicht jeder die konstruktionsbedingten Eigenarten der Sternmotoren kennen kann und muss.
Aufgrund der Stern-Bauweise sammelt sich nach längerem Motorstillstand in den unteren Zylindern das Motorenöl. Innerhalb einer Woche stillstand können durchaus bis zu 3 Liter "nach unten wandern". Um es wieder zu verteilen, muss man per Hand den Propeller einige Male durchdrehen. Wenn diese Maßnahme unterbleibt, kommt es zum gefürchteten Hydraulikschlag. Dabei wird das Triebwerk erheblich beschädigt. Es gab sogar Fälle, wo die Kurbelwelle gebrochen war und der Propeller weg geschleudert wurde.
Gleiche Ursache hat übrigens der oft zu beobachtende Öl-Eimer. Das AN-2 Triebwerk hat einen Öl-Sammler am Auspuff/Schalldämpfer. Dieser ist konstruktionsbedingt undicht, da es hier zu Materialausdehnungen infolge von Hitzeentwicklung gibt und hier eine flexible Verbindung eingebaut ist. Deshalb wird bei Stillstand des Flugzeuges immer ein Auffangbehälter angebracht.
Dieses Problem hat betrifft alle Flugzeuge mit Sternmotor. Der Tank für Motorenöl in der AN-2 ist mit maximal 85 Litern Schmierstoff gefüllt. Bis zu einer Restmenge von 55 Litern wird geflogen. 2 bis 3 Liter Motorenöl und 170 bis 200 Liter Benzin (100 Oktan!) verbraucht eine AN-2 in einer Flugstunde.
Sehr wichtig beim Sternmotor: Durchdrehen des Propellers nach längerem Stillstand, um ein so genanntes Shockloading zu verhindern.
Sehr wichtig beim Sternmotor: Durchdrehen des Propellers nach längerem Stillstand, um ein so genanntes Shockloading zu verhindern.
Triebwerkswartung an einer AN-2 der NVA in Kamenz. In Spitzenzeiten verfügte die NVA über bis zu 32 Annas.
Triebwerkswartung an einer AN-2 der NVA in Kamenz. In Spitzenzeiten verfügte die NVA über bis zu 32 Annas.

Leise Annas: neue Schalldämpfer

Einige AN-2 wurden mit Lärmdämpfenden Maßnahmen ausgerüstet. Allerdings kostet ein Ausrüstung mit dem Schalldämpfer System-Gomolzig AN-2-606500 etwa 13000,00 Euro. Dies ist nicht ganz billig. Erste umgerüstete Maschine war die D-FKMD im Jahre 1996.
Die D-FBJU mit dem bekannten Auspuff.
Die D-FBJU mit dem bekannten Auspuff.
Die D-FAIR hat einen Schalldämpfer der neuesten Generation
Die D-FAIR hat einen Schalldämpfer der neuesten Generation

Nur ein Propellertyp setzte sich durch

Zu Beginn der Erprobung setzte man zunächst den AW-7N Propeller ein, den man auch an der Lisunow Li-2 verwendet hat. Dieses Flugzeug, eine Lizenzvariante der Douglas DC-3 aus den USA, nutzte ja auch das gleiche Triebwerk, den ASch-62. Dieser war jedoch nicht effektiv genug im Hinblick auf Leistung und Kühlung an einem einmotorigen Flugzeug. Die ersten ausgelieferten AN-2 erhielten den Propellertyp WISch-509A-D7. Auf frühen Bildern ist dieser Propeller gut zu erkennen. Allerdings war auch hier das Problem der ungenügenden Kühlung vorhanden. Nun experimentierte man am WISch-509A-D8, wieder mit geraden Blättern. Auch hier erfolgte keine Verbesserung. Erste Fortschritte erzielte man mit dem Kunststoffverstärkten Holzpropeller WISch-509A-D9. Die Temperatur im Zylinderkopf sank um 25°C. Allerdings war hier der Klebstoff das Problem: ab 60°C löste er sich auf. Der nächste Versuch mit dem AW-2 war offenbar so zufrieden stellend, das dieser Propeller noch heute verwendet wird. Selbstverständlich handelt es sich bei allen Propellertypen der AN-2 um hydraulische verstellbare Propeller mit gleich bleibender Drehzahl.
Krummsäbel: Propeller WISch-509A-D7
Krummsäbel: Propeller WISch-509A-D7
Bis heute gebräuchlich: der Metallpropeller AW-2
Bis heute gebräuchlich: der Metallpropeller AW-2