Aschewolke bringt Luftverkehr zum Erliegen.
19.04.2010
Auch die Flughäfen in Thüringen betroffen.
(TLN/H.T.) Was ist da los am Himmel über uns? Der Vulkan Eyjafjalla auf Island ist ausgebrochen und spukt reichlich Asche in die Atmosphäre. Durch die Wetterverhältnisse wurde diese Aschewolke nun Richtung Europa getrieben und bringt uns massive Probleme im Luftverkehr. Das eigentliche Problem an der Asche ist, das man eigentlich gar nichts über die Asche weiß. Man hat mit Beeinträchtigungen durch Vulkane in Europa nie wirklich gerechnet. Deshalb gibt’s auch kaum Messungen und vor allem belastbare Ergebnisse dazu. Denn die Aschepartikel können je nach Schmelztemperatur beim Ausbruch und nach stofflicher Zusammensetzung unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.
Vulkanasche war bereits Auslöser für Zwischenfälle in der Luftfahrt!
Es gab in der Vergangenheit durchaus Fälle, wo Flugzeuge durch Vulkanasche stark gefährdet wurden. Vor allem zwei Zwischenfälle wurden sehr bekannt: British-Airways-Flug 9 im Jahre 1972 und KLM-Flug 867 im Jahr 1989.
Im ersten Fall flog eine Boeing 747-200B durch die Aschewolke des Vulkans Gunung Galunggung südlich der indonesischen Insel Java. Wegen der Verunreinigung durch Vulkanasche und von Sauerstoffmangel fielen nacheinander alle vier Triebwerke des Jumbojets aus. Im antriebslosen Gleitflug steuerte die Flugzeugbesatzung die Boeing 747 aus der Aschewolke. Nach einer Flugstrecke von etwa 168 km im Segelflug versuchte die Flugbesatzung, die Triebwerke wieder zu starten. Alle vier Triebwerke sprangen an. Das Flugzeug gewann an Flughöhe, gelangte aber dadurch erneut in die Asche, wodurch ein Triebwerk überhitzte und abgestellt werden musste. Man führte nun einen Sinkflug durch, um in Aschefreie Zonen zu gelangen. In 3700 m fand man eine saubere Luftschicht und flog Richtung Jakarta. Ein neues Problem ergab sich nun für die Besatzung: die Vulkanasche war so scharkantig, das die Cockpitfenster so rau waren, das man nicht mehr durchschauen konnte. Man flog nun mit den Fluginstrumenten ohne Sicht. Normal ist das die übliche Flugmethode, allerdings war das Pitotrohr, welches für die korrekte Geschwindigkeitsanzeige eines Flugzeuges erforderlich ist, von Asche verstopft. Demzufolge hatte man eine falsche Geschwindigkeitsanzeige. Erschwerend kam hinzu, dass der Gleitwegsender des Instrumenten-Landesystems (ILS) in Jakarta ausgefallen war. Durch eine kleine Stelle in der Frontscheibe konnte man die Landebahnbefeuerung erkennen und dadurch Landen. Das Flugzeug blieb auf der Landebahn stehen und wartete auf einen Schlepper, da man sich nicht weiter durch die Fenster orientieren konnte. Kein Passagier wurde verletzt. Bei einem ähnlichen Fall einer Boeing 747-400 der KLM über Alaska wurde das Flugzeug stark zerstört und die Triebwerke versagten ihren Dienst. Wie bei dem Zwischenfall der British-Airways Maschine konnten auch hier die Triebwerke wieder angelassen werden. Am Flugzeug entstand Sachschaden in Höhe von 80 Millionen U.S.Dollar.
Bisher hat man man in Europa nicht mit Beeinträchtigungen durch Vulkane gerechnet.
In Europa hat man eigenartiger Weise nie damit Gerechnet, das der Flugverkehr durch den Einfluss eines Vulkans beeinträchtigt werden kann. Somit liegen auch keine Belastbaren Referenzdaten vor. Man weiss nicht, ab welcher Konzentration die Aschepartikel gefährlich sind. Deshalb sperrt man alternativ bestimmt Flughöhen. Und das Problem, ob Luftraumsperre oder nicht, ist doch sehr komplex. Momentan wird leider auch sehr populistisch berichtet. Es ist nun mal so, dass ein Luftfahrzeugführer vorher eine Wetterinformation einholen muss. Der Wetterdienst kann aber keine Freigabe erteilen, wenn die Informationen dazu nicht vorhanden sind oder unsicher erscheinen. Immerhin ist der Wetterdienst gegenüber Fluggesellschaften und auch der Flugsicherung haftbar. Andererseits darf eine Flugbesatzung nicht eigenmächtig über eine Flugdurchführung nach den Regeln des Instrumentenflugs entscheiden. Die Fluggesellschaften müssen zudem ihre Versicherer konsultieren, ob ein Flug durch Vulkanasche überhaupt versicherbar ist, sollte es zu Schäden am Luftfahrtzeug kommen. Für viele Menschen ist das Flugverbot überzogen, vor allem, weil man die Aschewolke mit bloßem Auge nicht sehen kann.
Nun könnte man doch die Passagiere im Sichtflug (VFR) in niedrigen Höhen befördern, meinen nun einige. Dazu muss man wissen, dass ein derartiges Flugregime für große Flugzeuge überaus unwirtschaftlich ist. Andererseits kann bei Sichtflug keine Flugraumstaffelung durch die Flugsicherung erfolgen. Was dadurch passieren könnte, kann man sich leicht ausmalen. Allerdings haben sich die Fluggesellschaften selbst dagegen gewandt, mit Flugzeug schwerer als 20 Tonnen kommerziell zu fliegen.
Fluggesellschaften führen eigene Testflüge durch
Mittlerweile führen Fluggesellschaften eigene Testflüge durch. Air Berlin flog am 18.04.2010 nördlich von Eisenach in Höhen bis 11 000 Meter. Nach eigener Aussage ohne irgendwelche Beeinträchtigungen. Inwieweit jedoch Testflüge einer Fluggesellschaft wissenschaftlich relevant sind, ist eine andere Geschichte.
Flugplätze, wie etwa Eisenach-Kindel oder Alkersleben sind vom Flugverbot nicht betroffen. Diese Plätze haben keinen kontrollierten Luftraum, hier werden nur Flüge nach Sichtflugregeln durchgeführt. Zudem haben kleinere Reiseflugzeuge sowieso Kobenmotoren und haben im Gegensatz zu Turboprop- und Düsenflugzeugen kein Problem mit der Asche.
Es bleibt abzuwarten, wie es weitergeht. Sicher ist der derzeitige Zustand vor allem für die Passagiere nicht gerade wünschenswert. Es gilt jedoch: lieber der Urlaub fällt ins Wasser, als das Flugzeug....





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