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Stimmung gegen den Flugplatz Eisenach

15.07.2009 22:29

Argumente kontra Flugplatz Eisenach-Kindel sind meist dünn

Piper PA-28
Piper PA-28
In mehren Zeitungsartikeln der regionalen Presse von Eisenach und Bad Langensalza vom 15.06.2009 wird von diversen Bürgerbeschwerden gegenüber dem Flugplatz Eisenach-Kindel berichtet. Mehrere Bürgermeister haben sich zudem verbündet und dem Landrat des Wartburgkreises ein Schreiben zugestellt, welches neben Beschwerden auch einen regelrechten Forderungskatalog enthält. Der Wartburgkreis ist Hauptgesellschafter der Flugplatzgesellschaft, Krebs somit oberster Dienstherr. Ein offenbar technisch sehr kundiger Mitmensch aus der Gemeinde Ettenhausen berichtet in einem Zeitungsinterview dann auch  folgendes: "Manchmal hört es sich an, als flöge ein Stuka übers Dorf." Was auch immer dieser Bürger meint ist bestimmt laut, ganz gewiss aber ist kein Stuka über sein Dorf geflogen. Denn ein solches "Sturzkampfflugzeug" ist wesentlich lauter als die beispielweise vom Fallschirmclub Dädalus eingesetzte Dornier Do-28D-G92, die damit am Flugplatz Kindel Fallschirmspringer absetzt. Als Stukas wurden hauptsächlich die dafür entwickelte Junkers Ju 87 eingesetzt. Berühmt-berüchtigt wurde diese Maschine vor allem durch die ab der Version Junkers Ju 87 B eingesetzten Fahrtwindsirenen, die im Volksmund auch als „Jericho-Trompeten“ bezeichnet wurden. Diese Fahrtwindsirenen erzeugten beim Sturzflug durch den Fahrtwind einen schrillen, kreischenden Ton. Die psychische Wirkung auf die Menschen war zuweilen größer als die Waffenwirkung der abgeworfenen Bomben. Solch ein Flugzeug mit einer Turbinengetriebenen Dornier Do-28D-G92 zu vergleichen ist so, als wenn man das Geräusch eines elektrischen Rasierer (Do-28) mit dem eines alten und großen Sägewerk vergleicht. Solche Vergleiche taugen also nichts.

Immer wieder wird auch gefordert, dass die Flugzeuge die betroffenen Ortschaften meiden.  Im Luftfahrthandbuch für Sichtflug (AIP VFR) kann man die Platzrunde vom Flugplatz Eisenach-Kindel einsehen und wird feststellen, dass sie an keinem Punkt über eine Ortschaft führt. Diese vorgeschriebene Platzrunde muss von den Piloten eingehalten werden. Hierbei sind für einen Piloten leichte Abweichungen unvermeidlich, schließlich muss dieser den Luftraum beobachten, sein Fluggerät steuern und Kollisionen vermeiden. Kleine Abweichungen die niemand verhindern kann werden natürlich immer auftreten. Aber auch dafür ist keinesfalls der Flugplatz Eisenach verantwortlich zu machen. Das liegt in der Natur der Luftfahrt. Keiner wird auch eine Tankstelle für das zu schnelle Autofahren verantwortlich machen wollen.

Fallschirmsprungclub Dädalus
Fallschirmsprungclub Dädalus
Im Sichtflugverkehr ist es Sache des Piloten sich an die Regeln zu halten und nicht Auftrag des Flugplatzes. Das heißt, bei Verfehlungen müsste man gegen die jeweiligen Piloten vorgehen. Dazu muss man diesen die Schuld nachweisen. Dazu muss man bei einem möglich Verstoß gegen die Regeln das unter dem Flügel sichtbare Kennzeichen fotografieren und anschließend feststellen, ob diese Maschine auf dem Kindel gelandet ist. Alternativ könnte auch das Land Thüringen ein mobiles Radar aufstellen und die Piloten mit einem ihrer Hubschrauber abfangen und bestrafen. Der Verkehrslandeplatz Eisenach-Kindel ist ein Flugplatz ohne Kontrollzone. Der Flugleiter hat hier lediglich eine beratende Funktion gegenüber den Piloten. Die Piloten sind jedoch selbst für die Flugdurchführung verantwortlich. Es ist also nicht Aufgabe des Flugplatzes die Flüge zu überwachen.

Der genannte Tank-Tourismus ist ebenso unrealistisch da es sich in der Fliegerei überhaupt nicht lohnt extra wegen dem Tanken loszufliegen. Es tanken also nur Flugzeuge welche sowieso landen wollten. Interessant wäre hierbei, inwieweit die lärmgeplagten Gemeindemitglieder dieses Argument belegen können.

Ein "Provinz-Flugplatz" ohne nennenswerte Bedeutung, wie die Beschwerdeführer meinen, ist Eisenach-Kindel gewiss auch nicht. Vielmehr ist es der nach Flugbewegungen größte Flugplatz in Thüringen.

Nicht vergessen darf man, dass provinziale Flugplätze Ausgangspunkt vieler Berufspilotenkarieren ist. In den kleinen, dezentralen Flugschulen an solchen Flugplätzen wird neben den Freizeitpiloten auch der potentielle Nachwuchs für die Linienfliegerei ausgebildet. Wo soll das denn passieren, wenn nicht auf regionalen Flugplätzen wie dem Kindel, die großen Luftverkehrsdrehkreuze können die Start- und Landeübungen nicht zwischen die engen Slots der großen Verkehrsflugzeuge schieben. In Eisenach bilden sogar zwei Flugschulen Privatpiloten aus. Naturgemäß gibt es demzufolge regelmäßige Schullandungen in Eisenach. Die Frage muss erlaubt sein, ob in Zukunft dann auch in der Mehrheit eher Gastarbeiter aus Indien in den Cockpits sitzen sollen, weil der Nachwuchs aus Deutschland fehlt? Oder wäre ihnen ein Deutscher Flugkapitän mit deutscher Ausbildung lieber?

Wenn man weiterhin wünscht, dass dieser unser Flugplatz schwarze Zahlen schreibt, dann kann man Großveranstaltungen wie die "German Race Wars" oder auch „Demopark“ nicht verbieten. Wenn der Flugbetrieb für die Kostendeckung des Flugplatzes nicht ausreicht, dann ist es doch eine prima Idee, mit anderen Dingen trotzdem Geld zu verdienen. Zumal Besucher dieser Veranstaltungen auch noch Geld mit in die Region bringen welches zum Beispiel für Essen und Trinken ausgegeben wird.

Die Kläger sind auch auf die Lautstärke eingegangen welche die landenden Flugzeuge verursachen. Der Kindel als Verkehrslandeplatz hat jedoch eine Betriebspflicht und kann keinem Flugzeug, welches in Deutschland fliegen darf, die Landung  verweigern, auch wenn es eventuell ein lauterer Typ ist. Aus der Gebührenordnung, welche man öffentlich einsehen kann, geht hervor, dass Flugzeuge mit erhöhtem Lärmschutz weniger Landegebühren zahlen müssen. Damit hat der Flugplatz seine Aufgabe auch in diesem Bereich erfüllt.

Cessna Citation
Cessna Citation
Warum lassen die betroffenen Gemeinden bzw. die betroffenen Bürger kein Lärmgutachten durchführen? Ist nicht gerade genau neben dem Flugplatz die neue Autobahn im Bau? Auch diese wird viel Lärm verursachen der die Bürger bei der Sonntagsruhe behindert und trotzdem wird sie gebaut. Die Region muss Geld verdienen und dafür ist eine Infrastruktur notwendig. Dazu gehört der Flugplatz ebenso wie andere Verkehrswege.

Muss die Region aber nicht insgesamt Geld verdienen? Wie, wenn nicht AUCH mit einem Flugplatz. Der sicher nicht unmittelbare Gewinne macht. Aber er bedeutet ein Standortvorteil, der noch nicht mal ausgenutzt wird. Dieser Flugplatz hatte bis vor Jahren das Potential zum großen Airport. Mit Bahnanschluss, der nun bekanntlich entfernt wurde. Sollen denn in Thüringen lieber 250 000 Bratwurstbuden aufgestellt und somit Touristen angelockt werden? Die Gesellschaft fordert vom Bürger eine uneingeschränkte Flexibilität. Natürlich ist dann auch die Freizeitgestaltung, so es sie denn überhaupt noch gibt für größere Bevölkerungsgruppen, genauso flexibel. Oder sollten alle Menschen nur ins Theater gehen?

Der Flugplatz Eisenach ist also tatsächlich ein Standortvorteil und eine Bereicherung für unsere Region. Sei es für die Freizeitgestaltung, sei es für die Industrie mit ein paar eiligen Frachtflügen oder auch für German Race Wars - dort wird die Highspeed-Party zentralisiert und weg von der öffentlichen Straße gefeiert. Wollen die Dorfbewohner lieber Raserei und laute Musik vor ihrem Haus? Wir glauben, dass hier eher einige zugezogene Bürger ihre absolute Ruhe suchen und für ihre Zwecke die Bevölkerung gewonnen haben. Ein bisschen Hainich, Wildkatzenpark und die Wartburg reichen eben nicht, um Thüringen attraktiver zu machen. Schon gar nicht in Rezessionszeiten.


Henning Tikwe & Benjamin Allmrodt

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C.Handwerck

Eintrag #89 | 28.07.2009 14:24 Uhr | Website
Solche Leute gibt es überall dort, wo Flugplätze sind. Die regen sich einerseits über den "Fluglärm" auf, tyrannisieren andererseits am Wochenende ihre Nachbarn mit Rasenmäher & Co.
Bestes Beispiel: Bei unserem Flugplatzfest 2008 in Nohra hat es Beschwerden gegeben, obwohl es langfristig angekündigt war.

T. Funke

Eintrag #90 | 03.08.2009 18:17 Uhr |
Deutschland dürfte das einzige Land sein, in dem man versucht, nach Sichtflugregeln fliegenden Flugzeugführern den Flugweg (in der Platzrunde) vorzuschreiben. Das ist eine rechtliche Grauzone. Während Ultralight-Piloten diese heilige Linie auf der Karte durchaus abfliegen können, kann man die Insassen eines performanteren Flugzeuges (z.B. Cessna 421) damit u.U. ins Grab befördern.

Fluglärmgegner sollten nur ernst genommen werden, wenn sie einen Miet- oder Kaufvertrag vorweisen können, der VOR der Eröffnung des beklagten Flughafens abgeschlossen worden ist. Alle anderen, die bewusst in die Nähe eines bereits existierenden Flughafens gezogen sind, verfügen über keine moralische Rechtfertigung, gegen den Flugbetrieb oder die Flugplatzanlage vorzugehen.
Niemand ist gezwungen worden, in den Nahbereich eines Flugplatzes zu ziehen. Was soll also diese ganze Entrüstung?

J.Kellner

Eintrag #91 | 26.08.2009 10:17 Uhr |
Es ist schon erschreckend, wie hier die Anwohner dargestellt werden. Und wie die Fakten verdreht werden, ist auch nicht zu Verachten.
Schwarze Zahlen gibt es wahrscheinlich nur, weil mit schwarzer Tinte gedruckt wird. Fakt ist, dass seit seiner Entstehung der Flugplatz Kindel von seinen 3 Gesellschaftern subventioniert wird. Dazu zählen auch die anliegenden Gemeinden, mit den bösen Bürgern, die auch noch ihre Ruhe haben wollen.
Zur Sicherheit des Flugplatzes brauche ich auch nichts zu schreiben, man braucht nur die regionale und mittlerweile auch überregionale Presse zu verfolgen.
Zum Thema "German Race Wars" ergänze ich auch nur, dass - seit diese Rennen auf dem Kindel stattfinden - die Autorennen erst vor unserer Haustüre stattfinden. Falls Sie auch da Beweise sehen wollen, kann ich Ihnen ein recht frisches Kreuz auf der B84 vom Kindel Richtung Eisenach zeigen. Es werden deutschlandweit Motorsportfreunde usw. angelockt, die es in diesem Maße und in dieser Masse vor unserer Haustüre nicht gäbe. Wobei das Thema German Race Wars gar nicht so sehr das Problem ist, der Kern der Sache liegt woanders.
Ihr Artikel passt haargenau zu dem Problem, dass die Anwohner, die Bürgermeister - also die Gemeinden an sich haben. Statt miteinander zu reden, sich abzustimmen, klare Aussagen zu treffen, wird von seitens der Flugplatzbetreiber und der zugehörigen Firmen, Piloten usw. eine Politik der kompletten Ignoranz betrieben.
Und ebenso wie der hier geschriebene Artikel es leider auch vollführt, werden Fakten falsch dargestellt, ignoriert oder lächerlich gemacht. Mit gekünstelter Sachlichkeit werden die Probleme verharmlost. Da sollte man ansetzen. Statt Ignoranz und Arroganz wünschen wir (ich spreche jetzt für die ach so flugfeindlichen Anwohner) uns schlicht und ergreifend mal ernste Worte, dass sich mal vernünftig an einen Tisch gesetzt wird und diese Anti-Informationspolitik aufhört.
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Bitte rechnen Sie 9 plus 1.
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