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Strahlende Fracht mit Hubschrauberbegleitung

17.02.2011 11:29

CASTOR-Transport von Karlsruhe nach Lubmin führte auch durch Thüringen.

In der Zeit vom 16.bis 17.02.2011 war ein Eisenbahntransport mit CASTOR-Behältern von Karlsruhe nach Lubmin bei Greifswald angekündigt. Nachdem bereits am 16.12.2010 ein solcher Transport durch Thüringen führte, sollte auch dieser Zug über die Thüringer Gleise führen. Drei Routen standen dafür zur Verfügung: die Kursbuchstrecke 605 (KBS-605) von Gerstungen über Eisenach nach Erfurt, die Kursbuchstrecke 570 (KBS-570) von Ritschenhausen über Suhl nach Erfurt und im Thüringer Norden die Kursbuchstrecken 590 (Halle–Nordhausen),600 (Nordhausen–Eichenberg) und 611 (Eichenberg–Kassel). Die zuletzt genannte Strecke ist aber aufgrund ihrer doch starken Steigungen als relativ unwahrscheinlich anzusehen, wenngleich aber nicht auszuschließen gewesen, wenn es zu größeren Konfrontationen mit den angekündigten Demonstranten gekommen wäre. Zunächst sah es so aus, als wenn der Zug tatsächlich über Südthüringen kommt, denn man steuerte nach Heilbronn zunächst nach Würzburg. Dort änderte man aber die Route und fuhr auf einer Nebenstrecke nach Fulda. Anschließend ging es weiter nach Hünfeld und schließlich Bebra. Für Außenstehende war nun Unklar, wie es weitergeht, immerhin gab es ab dort eine weitere Alternativstrecke. Gegen 13:17 Uhr aber ging die Fahrt weiter - Richtung Erfurt. Beamte der Bundespolizei waren bereits einige Zeit zuvor entlang der Bahnlinie in Stellung gegangen. Kurz vor der Durchfahrt des Zuges durch Thüringen mit 56 Tonnen radioaktiver Fracht flog von Erfurt her der Hubschrauber der Thüringer Polizeihubschrauberstaffel die Strecke bis zur hessischen Landesgrenze ab und flog anschließend in die Gegenrichtung zurück. Es schien zunächst so, dass es nicht mehr zu Konfrontationen mit Atomkraftgegnern kommt. Aber weit gefehlt. Östlich von Bebra zwischen Ronshausen und Hönebach standen Gegner der Kernkraft auf den Gleisen und schafften es, den Zug für 35 Minuten zu stoppen. Dadurch verspäteten sich nun auch der Nahverkehrszug von Bebra nach Eisenach sowie der IC Richtung Dresden. Die Demonstranten wurden eingekesselt und von den Gleisen verbracht.

Die Fahrt aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) in das Zwischenlager Nord in Lubmin (ZLN) bei Greifswald konnte nun weitergehen. Etwa 10 Minuten vor dem Eintreffen des Zuges in Eisenach flog ein Hubschrauber EC-135 der Bundespolizei die Eisenbahnstrecke ab. Unmittelbar vor dem Zug flog ein weiterer Hubschrauber der Bundespolizei parallel zur Eisenbahnstrecke, diesmal ein EC-155. Ohne Probleme fuhr der 23-teilige Zug durch die Wartburgstadt. Die Beamten der Bundespolizei, insgesamt waren entlang der gesamten Strecke 7000 Mann im Einsatz, verließen im Anschluss an die Durchfahrt die Stadt Eisenach. Übrigens waren die Polizisten bereits am Vortag angereist. Am Anreistag wurde bereits im Bereich des Eisenacher Bahnhofs gemeinsam mit einer Hubschrauberbesatzung der Ernstfall, nämlich die Konfrontation mit Demonstranten, geübt.

Einige Minuten nach dem Atomexpress, der an beiden Zug-Enden mit jeweils 2 Diesellokomotiven der Baureihe 232 bespannt war, rollte die Reserve in Form einer E-Lok mit zwei mitgeführten Dieselloks durch den Eisenacher Bahnhof.

3 Hubschrauber, 7 Lokomotiven und 7000 Polizisten garantierten mit den speziellen CASTOR-Behältern einen extrem hohen Sicherheitsstandard. Gefahr bestand nur in einigen Kernkraftgegnern, die den Zug mit zweifelhaften Methoden zum stehen bringen wollten. Im Norden der Republik sollen hierzu sogar Sprengladungen gedient haben, wie man aus der aktuellen Berichterstattung vernahm. Wenn der Zug denn so gefährlich ist, warum kommen dann die Kernkraftgegner auf solche seltsamen Ideen?

Man darf nicht außer acht lassen, das dass Transportgut nicht mal eben so angefallen, sondern bereits Jahrzehnte alt ist. Und wahr ist auch: Irgendwohin muss das strahlende Material.

Mit Geld in Höhe der Kosten, die ein solcher Transport durch gefährliche Interventionen einige Kernkraftgegner kostet, könnte man sicher gute Endlager bauen.

Zugzusammensetzung:
Der Castorzug bestand aus 4 Dieselloks, 14 Reisezugwagen und 5 Spezialwaggons mit den CASTOR-Behältern. Für alle Fälle wurden zwei Ersatzloks der BR-232 mitgeführt, die kurz nach dem eigentlichem CASTOR-Zug von einer E-Lok gezogen wurden.
Zugreihung Castor:
232 569-4 DB + 232 259-2 DB + 7x Reisezugwagen + 5 Castorwagen + 7x Reisezugwagen + 232 254-3 DB; 232 255-0 DB;
Zugreihung Castor-Reserve:
185 140-1 DB;232 347-5 DB; 232 209-7 DB;

 

Beteiligte Luftfahrzeuge:
1x Eurocopter Bo-105-CBS5 der Polizeihubschrauberstaffel Thüringen (D-HTHB);
1x Eurocopter EC-135-T2i der Bundespolizei;
1x Eurocopter EC-155-B der Bundespolizei;


Einige Zahlen rund um den Transport: 
Polizeibeamte: Verhaftete Personen:
7000 Beamte Deutschlandweit; mehr als 300 Personen wurden in Gewahrsam genommen;
550 Beamte in Thüringen; Kosten: unbekannt.....

Text: Henning Tikwe; Fotos: Sören Tikwe (16), Michael Horn (1)

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