Staatsbesuche1998 | Clinton in Eisenach

Staatsbesuch der USA in der Wartburgstadt Eisenach

 The President of the United Staates of America, Bill Clinton

am 18.Mai 1998

Rückblick - der Tag, an dem Bill Clinton kam...

Diese Gedenktafel am Eisenacher Rathaus erinnert an den Besuch Clintons 1998.
Diese Gedenktafel am Eisenacher Rathaus erinnert an den Besuch Clintons 1998.
Am 14.Mai 1998 weilte der Präsident der Vereinigten Staaten von America, Bill Clinton in der Wartburgstadt Eisenach. Begleitet wurde der "Mächtigste Mann der Welt" von dem damaligen Bundeskanzler Hellmut Kohl und dem ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Bernhardt Vogel. Bill Clinton kam mit der "Marine One", dem VIP Helicopter des U.S.Marinecorps. Welches der "Marine One" wirklich war, also in welchem Hubschrauber der USA-Präsident wirklich gewesen ist, weiß man nicht, da zwei völlig identische Hubschrauber VH-60D "White Hawk" landeten, und in einer saß Bill Clinton. Das ist aus Gründen der Sicherheit nicht nur bei den Hubschraubern der USA-Präsidenten üblich, sondern auch bei dem Präsidenten-Flugzeug, der "Airforce One". Auch davon existieren zwei identische Maschinen. Diese zwei Hubschrauber kamen im Pulk zusammen mit drei Boeing-Vertol CH-47 "Chinok", welche die Presseleute des Weißen Hauses transportierten. Über den großen Teich reiste Mister Clinton mit seiner VC-25A, dies ist eine von zwei umgebaute Boeing B747-200B, die viele auch als "Jumbo-Jet" kennen. Im Gefolge der "Airforce One" befinden sich weitere Flugzeuge, die genaue Anzahl ist jedoch geheim. Immer befindet sich eine Boeing E-4B in der Nähe, welche praktisch der fliegende Regierungssitz im Krisenfall ist, während die VC-25A lediglich das Reiseflugzeug darstellt - obwohl auch diese recht Umfangreich ausgestattet ist.   Neben der "Airforce-One" landet meist ein kleinerer Jet, meist eine Gulfstream 5. Diese dient zum schnellen Umsteigen in die E-4B. Für den Fall, das an der "Airforce-One" irgendetwas kaputt geht, fliegt ein zweites Präsidentenflugzeug mit. Früher war das eine VC-137C, also eine Boeing B707-300B. Bis 1990 war das die "Airforce-One". Heute fliegen meist beide VC-25A.
Das offizielles Einladungsschreiben des Eisenacher Oberbürgermeisters, hier für Herrn Herbert Tikwe.
Das offizielles Einladungsschreiben des Eisenacher Oberbürgermeisters, hier für Herrn Herbert Tikwe.
Als Vorhut sozusagen, unter anderem sind die Präsidenten-Autos und die Präsidentenhubschrauber an Bord, erscheinen am Reiseziel ein bis zwei Lockheed C-5.  Zur Zeit des Aufenthaltes in der BRD sind diverse Aufklärungsflugzeuge in der Luft und auch AWACS Flugzeuge kreisen in der Nähe. Außerdem dürften die in der BRD stationierten Kampfjets der USAF im Alarmbereitschaft gewesen sein. Zunächst landete der Präsident in Berlin-Tegel, da er an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke Teilnahm. Anschließend flogen die beiden VH-60D und die drei CH-47 sowie weitere Helicopter nach Eisenach. In Erfurt ist an diesem Tag eine Lockheed L-1011-200 der "Air Transat" gelandet, welche wohl offiziell akreditierte Journalisten gebracht hat. Die Sicherheitslage in Eisenach nahm ein Ausmaß an, wie man es bisher nicht kannte. Eine unbekannte Anzahl an Polizei, BGS, FBI, CIA, NSA und weitere Behörden weilten in Eisenach. Thüringens Ministerpräsident kam mit der Polizei-Bo-105 nach Eisenach. Die Innenstadt von Eisenach waran diesem Tag komplett gesperrt. Überall Sicherheitsleute, Polizeiwagen, und auffallend viele Geländewagen der amerikanischen Bundespolizei. Auch der Himmel über Eisenach war sicher supersicher.

Fotoalbum vom Staatsbesuch in Eisenach

Drei solcher CH-47 Chinok transportierten die Journalisten vom Weißen Haus.
Drei solcher CH-47 Chinok transportierten die Journalisten vom Weißen Haus.
Boeing-Vertol CH-47.
Boeing-Vertol CH-47.
Die Boeing-Vertol CH-47 der U.S.Army unmittelbar vor dem Aufsetzen
Die Boeing-Vertol CH-47 der U.S.Army unmittelbar vor dem Aufsetzen
Sikorsky VH-60D Whitehawk
Sikorsky VH-60D Whitehawk
Es fliegen immer zwei identische VH-60 Hubschrauber bei Staatsbesuchen.
Es fliegen immer zwei identische VH-60 Hubschrauber bei Staatsbesuchen.
Wenn der U.S.Präsident an Bord ist, ist der Hubschrauber
Wenn der U.S.Präsident an Bord ist, ist der Hubschrauber
Marine-1 ist auf dem PKW-Verladeplatz bei Opel-Eisenach gelandet.
Marine-1 ist auf dem PKW-Verladeplatz bei Opel-Eisenach gelandet.
Diese Lockheed L-1011 TriStar der Air Transat brachte Journalisten für Eisenach nach Erfurt.
Diese Lockheed L-1011 TriStar der Air Transat brachte Journalisten für Eisenach nach Erfurt.

Dinge, die Negativ auffielen

Der Staatsbesuch der USA in Eisenach war in jeder Hinsicht von Superlativen geprägt. Leider auch von Negativen. Bürger, die ihre Wohnung oder ihr Geschäft an der Protokollstrecke hatten, durften ihre eigenen Räume bzw. Häuser während des Staatsbesuchs nicht Betreten, bzw nicht verlassen. Wenn sie denn trotzdem die Erlaubnis der U.S.amerikanischen Behörden hatten, in ihren Wohnungen oder Geschäftsräumen zu bleiben, durfte man keinesfalls am Fenster stehen. Negativ fiel auch die "Pressekonferenz" im Opelwerk aus. Es wurden nur vorgefertigte Fragen gestellt. Es wirkte grotesk wie auf einer Sitzung der SED-Parteileitung. In die Archive der Massenmedien ging der Staatsbesuch auch deshalb ein, weil offizielle Fotos vom Besuch "verschönert" wurden. Demonstranten, die es trotz hoher Sicherheitsvorkehrung geschafft hatten, zum Eisenacher Markt vorzudringen, wo der Präsident der USA eine Rede vor 30000 geladenen Gästen hielt, zeigten ein Transparent mit der Aufschrift "Ihr habt auch in schlechten Zeiten dicke Backen". Bilder davon gingen um die Welt. Allerdings fehlte auf den Fotos der meisten Pressemeldungen genau dieses Transparent. Es wurde wegretuschiert. Landläufig würde man von einer Fälschung sprechen. Was mir dabei aufstösst, ist der Fakt, das es sich um Dinge handelt, die gegenüber der DDR immer so verpönt waren. Und hier muss gesagt werden, das der Besuch Erich Honneckers 1983 in Eisenach nicht Ansatzweise so viel Restriktionen mit sich brachte.

Was bei einem USA-Staatsbesuch hinter den Kulissen noch in der Luft ist.

Neben den Flugzeugen und Hubschraubern die im Rampenlicht stand, sind natürlich unbemerkt von der Öffentlichkeit weitere Luftfahrtzeuge im Einsatz. Es werden beispielsweise Tankflugzeuge bereitgehalten, um im Ausnahmefall die Airforce-1 in der Luft zu betanken. Der Luftraum im Flugbeschränkungsgebiet sowie die Flugroute der Airforce-1 wird von AWACS-Frühwarnflugzeugen Boeing 707-E3A Sentry überwacht. Auf einem Flughafen, der günstig zum Flughafen liegt, wo die Airforce-1 landet, steht immer eine Boeing E-4B in Alarmbereitschaft. Das in einer ähnlichen Farbgebung wie die VC-25a lackierte Flugzeuge auf Basis der Boeing 747-200B stellt das fliegende Verteidigungsministerium der USA dar. Das Flugzeug ist durchaus in der Lage, als Befehlszentrale einen Nuklearkrieg zu führen. Neben den genannten Flugzeugen und diversen Frachtflugzeugen kommen im Vorfeld eines Besuchs des U.S.-Präsidenten auch meist ein paar unscheinbare Flugzeuge der U.S.Airforce an potentielle Besuchsorte. Lediglich eine kleine Flagge der USA sowie ein militärisches Kennzeichen, bestehend aus 5 Ziffern ist am Flugzeug angebracht. Solche Maschinen bringen wichtige Leute vom Secret-Service, NSA, CIA, U.S.Airforce und U.S.Marine, die Sicherheitsfragen klären.

Ein Tanker Boeing KC-135R. Er kann die VC-25a auftanken. Ein solches Flugzeug war ganz sicher in der Nähe.
Ein Tanker Boeing KC-135R. Er kann die VC-25a auftanken. Ein solches Flugzeug war ganz sicher in der Nähe.
Auch eine AWACS Boeing 707-E3A Sentry dürfte sich in der Nähe in der Luft befunden haben.
Auch eine AWACS Boeing 707-E3A Sentry dürfte sich in der Nähe in der Luft befunden haben.
In solchen Boeing C-40 fliegen im Vorfeld eines Staatsbesuches Sicherheitsbeamte ein.
In solchen Boeing C-40 fliegen im Vorfeld eines Staatsbesuches Sicherheitsbeamte ein.
Die Boeing VC-25a ist das Reiseflugzeug des U.S.Präsidenten. Es ist bekannter als
Die Boeing VC-25a ist das Reiseflugzeug des U.S.Präsidenten. Es ist bekannter als
Lockheed C-5a Galaxy Frachter für den Transport von Material.
Lockheed C-5a Galaxy Frachter für den Transport von Material.
Boeing C-17a für den Materialtransport.
Boeing C-17a für den Materialtransport.

Präsidiale Luftfahrzeuge in Eisenach.

Steckbrief Sikorsky VH-60N White Hawk

VH-60N White HawkDie VH-60N der U.S.Marine stehen für den Einsatz als Präsidenten-Maschine zur Verfügung. Dieser VIP-Helicopter der 10 Tonnen Klasse wurde aus dem  Militärhubschrauber UH-60 entwickelt und wird meist bei Auslandseinsätzen geflogen, da dieser Typ wegen seinen faltbaren Rotorblättern und Heckausleger sehr gut luftverlegbar ist. Innerhalb 2 Stunden ist ein VH-60N transport- bzw. einsatzfähig. Die Hubschrauber gehören zur Staffel HMX-1 "Nighthawks". Bei Inlandsflügen in der USA wird der etwas größere Typ Sikorsky VH-3D "SeaKing" verwendet.

Steckbrief Boeing CH-47

CH-47Ein altes Arbeitstier ist der Doppelrotorhubschrauber CH-47 und zugleich neben dem CH-53 der schwerste Hubschraubertyp der USA. Trotzdem ist er technisch auf Höhe der Zeit da er laufend modernisiert wurde. In Eisenach war er im Einsatz zum Transport von Journalisten des Pressebüros des Weißen Hauses.

Augenzeugen gesucht!

Leider hat sich der Autor im Jahre 1998 nicht großartig mit Fotographie und Archivierung beschäftigt. Aber vielleicht fallen einem Leser des Thüringer Luftfahrtnetzes Informationen und Anekdoten rund um den Clinton-Besuch in Eisenach ein. Vielleicht sogar finden sich noch Fotos? Wir vom Thüringer Luftfahrtnetz würden uns über Informationsmaterial sehr freuen!

© 2004 by Luftfahrt-Eisenach.de
Text:
Henning Tikwe, Eisenach;
Fotos:
Lothar Röser, Erfurt; Benjamin Allmrodt, Bad Langensalza; Bernhardt Pethe, Steinbach; Ray Binder, Luxemburg;