Staatsbesuche2002 | Putin 2002 in Weimar

Staatsbesuch der Russischen Förderation in Weimar

tl_files/images/flaggen/russiaflag1.jpgtl_files/images/flaggen/russiaflag1.jpgStaatspräsident Wladimir Putin besucht Weimar

08. bis 10.04.2002

Die russische Präsidentenmaschine Iljuschin IL-96-300PU.
Die russische Präsidentenmaschine Iljuschin IL-96-300PU.
Das Reserveflugzeug in Form einer Iljuschin IL-62M(K)
Das Reserveflugzeug in Form einer Iljuschin IL-62M(K)

Staatsschulden und Beutekunst - die Themen beim Petersburger Dialog

Am 9. und 10.April 2002 trafen sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Russische Staatspräsident Wladimir Putin im Rahmen der Petersberger Dialoge in Weimar.Im langjährigen Streit um die Altschulden der ehemaligen Sowjetunion erwartete der russische Präsident Wladimir Putin bei den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Weimar einen Durchbruch. "Ich habe Grund zur Annahme, dass wir bei den Gesprächen diese Frage endgültig abschließen", sagte Putin bei einem Vorabtreffen mit deutschen Journalisten im Kreml. Gleichzeitig kündigte Putin weitere Zusammenarbeit mit der BRD in der Frage der so genannten Beutekunst und die Rückgabe weiterer Kulturobjekte an Deutschland an. Russland und Deutschland verhandeln schon seit Jahren über die Schulden der Sowjetunion bei der DDR. Hauptproblem war bisher immer die Umrechnung der so genannten Transfer-Rubel. Die deutschen Rückzahlungsforderungen belaufen sich auf rund 6,4 Milliarden Transfer-Rubel, für die ein Umrechnungskurs von 1:1 zum U.S.Dollar zu Grunde gelegt worden war.Russland hält diese Summe für überhöht. Nach Informationen der Zeitung "Handelsblatt" hat sich Russland zur Zahlung von knapp 1,2 Milliarden Dollar bereit erklärt. Vor den Gesprächen im thüringischen Weimar würdigte Putin die guten Beziehungen Russland zur BRD."Deutschland ist weltweit einer der führenden Partner Russlands und der erste Partner Russlands in Europa", sagte Präsident Putin. Dies gehe aus der Handelsbilanz hervor aber auch aus anderen Bereichen wie etwa europäischer Sicherheitsfragen. "Ich erwarte, dass unsere Gespräche einen guten Impuls für die weitere Entwicklung der Beziehungen geben und dass sie zum guten Klima in Europa insgesamt beitragen." Auf den hohen Erdgaspreis angesprochen, machte der Kremlchef sowohl die hohen deutschen Steuern als auch die umfangreichen Kosten für Speicherung und Distribution als Ursachen aus. Über den Konzern Gazprom verkaufe Russland den Energieträger, der etwa ein Drittel des deutschen Gasbedarfs deckt, "sehr preiswert". Präsident Putin glaubt, dass in Zukunft auch der deutsche Verbraucher etwas davon hat, wenn das "Spitzenzeitproblem" gelöst wird. Gazprom und die deutsche Wintershall AG seien derzeit bemüht, Speicher anzulegen und die Gasverteilung über gemeinsame Unternehmen zu besorgen. "Das könnte den Markt stabilisieren und vielleicht auch den Preis etwas nach unten drücken." Schirmherr der Petersburger Dialoge ist übrigens der letzte Staatschef der UdSSR, Michail Sergejewitsch Gorbatschow.

Die russische Präsidentenmaschine Iljuschin IL-96-300PU.
Die russische Präsidentenmaschine Iljuschin IL-96-300PU.
Bis 1996 war diese IL-62M(k) die Präsidentenmaschine.
Bis 1996 war diese IL-62M(k) die Präsidentenmaschine.
Luftwaffe 10+22 brachte Gerhard Schröder.
Luftwaffe 10+22 brachte Gerhard Schröder.

Grußwort des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

ich möchte die Teilnehmer unseres russisch-deutschen Forums herzlich begrüßen. Und vor allem unsere gastfreundlichen deutschen Freunde, die den Petersburger Dialog zum ersten Mal in ihrem Land empfangen.
Schon die Atmosphäre Weimars, das große Musiker, Schriftsteller und Denker hervorgebracht hat, ist günstig für einen außergewöhnlichen Austausch. Weimar ist die Wiege der ersten deutschen Verfassung, der deutschen Demokratie, und der Geist der Freiheit, der hier herrscht, verleiht dieser Stadt Offenheit. Die Traditionen einer alten „Handwerkerstadt“ ihrerseits stimmen tatkräftig.Der Petersburger Dialog unserer Gesellschaften ist noch jung, hat aber in unseren Ländern schon recht viele Anhänger gefunden. Er soll den Staatsmännern und Politikern reiche geistige Nahrung geben. Wir sind an der Effizienz unseres Forums interessiert und erwarten die kritischen Einschätzungen und Empfehlungen seiner Experten. Ich hoffe, dass der neue Co-Vorsitzende des Petersburger Dialogs, Michail S. Gorbatschow, ein in Deutschland hoch angesehener Politiker, dazu beitragen wird. Es ist wichtig, dass unser Dialog mit den Entwicklungen einer sich rasch wandelnden Welt Schritt hält und den aktuellen Themen und dringenden Interessen der Bürger beider Länder gerecht wird.
Die Weltgemeinschaft befindet sich heute in einer besonderen Situation. Sie handelt nicht nur gemeinsam gegen die globale Gefahr des Terrorismus, sondern sucht auch nach einer neuen Philosophie für die zwischenstaatlichen Beziehungen und einer effektiveren Strategie für die internationale Sicherheit.
Auch die Beziehungen zwischen Russland und der NATO in Gestalt des 20er-Rats wer-den auf dem neuen Prinzip beiderseitiger Verantwortung aufgebaut. Wir müssen all diese Entwicklungen unbedingt gedanklich verarbeiten und in ein aktuelles logisches System bringen. In diesem System dürfen die EU-Erweiterung und der Beitritt Russ-lands zur WTO sich nicht nachteilig auswirken, sondern müssen für alle Beteiligten Nutzen bringen. Vor allem auf dem Markt für Energieträger, in der Frage der Anti-Dumping-Maßnahmen und der russischen Lufttransporte.
Beim Bau eines neuen Europa spielen die russisch-deutschen Beziehungen die Rolle eines Gerüsts, und zwar insofern, als sie sich stets in die europäischen Präferenzen ge-fügt haben. Denken wir etwa an den Rapallo-Vertrag, dessen 80. Jahrestag wir in einer Woche feiern werden. Der Geist von Rapallo, der Verzicht auf gegenseitige Ansprüche und die friedliche Koexistenz haben in der Geschichte Europas in den 20er Jahren eine positive Rolle gespielt.
Ich muss sagen, dass das vergangene Jahr für unsere Beziehungen ertragreich war. Die Zusammenarbeit im Bereich der Investitionen schreitet voran, beim Problem der „Transfer-Rubel“ zeichnen sich erste Umrisse einer Lösung ab, und unser Warenverkehr hat die Rekordmarke von 24 Mrd. Euro erreicht. Die Struktur des Warenverkehrs kann unsere Länder allerdings nicht zufrieden stellen. Vor allem beim russischen Export gibt es noch große Reserven, und wir sind bereit, ernstzunehmende Angebote zu machen, die für den deutschen Markt lukrativ sind. Ich denke, für den Petersburger Dialog würde es sich lohnen, das Problem des Zugangs russischer Unternehmen zum deutschen Markt zu diskutieren.
Die Ziele und Perspektiven der Beziehungen zwischen unseren Ländern hängen in vie-lem von einer positiven Entwicklung der russischen Wirtschaft ab. Wir haben in Essen viel darüber gesprochen und seit diesem Treffen schon einiges erreicht. Staat und Un-ternehmen verstehen sich nun nicht nur besser, sondern verhalten sich auch berechenbarer.
Dazu trägt auch die Selbstorganisation der Wirtschaft bei. Neben der Allianz der Großunternehmen – dem Russischen Industriellen- und Unternehmerverband – sind auch Verbände der klein- und mittelständischen Unternehmen entstanden – die Vereinigung der Unternehmerorganisationen Russlands und der Verband „Delowaja Rossija“. Ich hoffe, dass es auch im Rahmen Ihres Forums zu einem konstruktiven Dialog mit diesen Organisationen kommen wird.
Auch unsere jüngsten Vorschläge zur Vereinfachung der Besteuerung und Buchhaltung bei Kleinunternehmen, zur Beseitigung von bürokratischen Hindernissen und zur Entschärfung der Fiskalordnung dienen der Förderung des Unternehmertums.
Wir setzen große Hoffnungen in eine konsequente Bankenreform und rechnen damit, dass diese im Zuge der Amtsnachfolge bei der Leitung der russischen Zentralbank be-schleunigt wird. Wir sind an einem stabilen Bankensystem, das sich nicht nur auf große, sondern auch auf mittlere Banken stützt, interessiert. Das eröffnet den Unternehmen neue Kreditquellen und schafft die Bedingungen dafür, dass sie investieren, vor allem im Realsektor. Und das bedeutet, dass das russische Klima auch für ausländisches Kapital günstig wird.
Russland arbeitet darüber hinaus an einem Schutz der nationalen Unternehmensinteres-sen, so wie es die Weltmarktstandards und die Regelungen der WTO vorsehen. Auch hier müssen wir noch vieles lernen, insbesondere auch von unseren deutschen Partnern. Die Erfahrungen Deutschlands im Verwaltungsbereich sind eine große Hilfe für die russischen Reformen, die Sie uns im Rahmen des „Transform“-Projekts nunmehr seit 10 Jahren gewähren. Wir schätzen diese Hilfe sehr, denn effizient kann ein Staat nur sein, wenn er einen effizienten Verwaltungsapparat hat.
Inzwischen verfügen wir auch über eigene Erfahrungen bei der Ausbildung einer neuen Managergeneration, und zwar im Rahmen eines Sonderprogramms, das ich persönlich überwache. In diesem Programm spielt die russisch-deutsche Komponente eine entscheidende Rolle. Die Absolventen des Programms sind die künftigen aktiven Akteure in unserer Zusammenarbeit, darum beabsichtigen wir, diese Arbeit in Zukunft fortzusetzen und rechnen dabei auf Ihre Unterstützung.
Weimar wurde für unser Treffen nicht zufällig gewählt. Der geistig-kulturelle Aspekt unserer Beziehungen ist immer ungleich deutlicher hervorgetreten als andere unserer gemeinsamen Leistungen. Er ist Ausdruck der engen Verflechtung unserer Kulturen.
In diesem Bereich stehen uns viele Veranstaltungen ins Haus – der 300. Jahrestag Sankt Petersburgs und der 750. Jahrestag Kaliningrads –, auf denen wir Sie gern begrüßen würden. Zu den neuen Veranstaltungen gehört die erste russisch-deutsche Spracholympiade, die dem Jugendforum „Gemeinsam ins 21. Jahrhundert“ angegliedert ist. Es ist an der Zeit, unseren Dialog auf die Jugendebene zu bringen und ein Reservoir für die zukünftigen russisch-deutschen Beziehungen anzulegen.
Die Bestimmung des Petersburger Dialogs erschöpft sich nicht in einer Analyse von Zustand, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven unserer Beziehungen. Ich glaube, dass es den führenden Vertretern der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Eliten beider Länder auch gelingen kann, unseren Beziehungen eine neue Qualität zu ver-leihen und hoffe, dass die einzigartige Atmosphäre Weimars dieser Arbeit zuträglich sein wird. Ich halte es für wichtig, Ihre unabhängige Meinung zu hören und lade Sie zum Dialog ein.

Grußwort des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder

Herr Präsident, liebe Co-Vorsitzende Gorbatschow und Boenisch,

ich freue mich sehr, dass ich die Teilnehmer des Petersburger Dialogs hier persönlich begrüßen kann, und noch mehr freue ich mich natürlich über die Anwesenheit von Präsident Putin im Rahmen des deutsch-russischen Dialogs, der jährlich stattfindenden Konsultationen.
Weimar – das ist natürlich, wie man in Russland ebenso weiß wie in Deutschland, ein Ort von hoher Symbolkraft; und zwar Symbolkraft keineswegs nur politisch, sondern bezogen auf das, was wir mit unserem Dialog erreichen wollen, nämlich die Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Kultur und zivile Courage, ziviles Verhalten, das passt sehr gut mit Weimar zusammen. Ich muss die Großen, die hier gelebt und gewirkt haben nicht nennen. Ich denke, das wird einem unmittelbar präsent, wenn man durch die Stadt geht. Selbst wenn man nur sehr kurze Zeit hier ist, spürt man etwas von der kulturellen Bedeutung dieser großartigen Stadt.

Foto: Daniel Biskup Die Parallelität des Petersburger Dialogs und unserer Regierungskonsultationen ist keineswegs zufällig. Das ist durchaus etwas, was einander ergänzen soll. Wir meinen schon, dass es für die Perspektiven unserer Länder, unserer Völker wichtig ist, dass es gutnachbarschaftliche Beziehungen auf der Ebene der Regierungen gibt. Diese können ergänzt werden durch eine sehr enge, auch persönliche Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen. Ich freue mich sagen zu können, dass das der Fall ist, dass unsere Zusammenarbeit auch freundschaftliche Züge hat, die man gar nicht hintanstellen sollte. Aber mindestens so wichtig wie gute Kontakte auf der Ebene von Präsident und Regierung in Russland und Regierung hier sind vertiefte Kontakte zwischen den Menschen in unseren beiden Ländern, zumal den jungen Menschen. Ich glaube, dass der Petersburger Dialog das Forum ist, um diese Vertiefung der Kontakte in die zivile Gesellschaft hinein zu erreichen. Deswegen bin ich sehr froh darüber, dass es einige wichtige Schwerpunkte gibt, die Sie selber auch vorgeschlagen haben, beispielsweise den Jugendaustausch, bei dem wir weiter gekommen sind, beispielsweise die Spracholympiade, die im Mai in Moskau stattfinden wird.
Ich finde, dass in diesem Dialog auch deutlich wird, dass die maßgebliche Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen – und das in einem Ausmaß, das man vielleicht zu Beginn dieses Dialogs so nicht für möglich gehalten hätte – eine wichtige Grundlage für das Funktionieren einer Zivilgesellschaft ist. Die Politik Präsident Putins hat wirklich bahnbrechende Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ein solcher Dialog möglich gewesen ist. Das, was er nicht nur im Rahmen der Anti-Terror-Koalition, sondern auch an kultureller, ökonomischer und politischer Zusammenarbeit mit dem Westen, nicht nur Europas, sondern auch darüber hinaus, organisiert und durchgesetzt hat, ist durchaus etwas, was man als epochal bezeichnen kann. Und die Beziehungen, insbesondere die ökonomischen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland, haben in den letzten Monaten und Jahren eine Dynamik erreicht, wie es viele auch nicht erhofft hätten. Ich bin übrigens ganz sicher, dass das Ergebnis der Konsultationen hier in Weimar – und das deutet sich schon an – Enormes zur Beförderung dieses wirtschaftlichen Aus-tausches beitragen wird.
Ich will hier die Gelegenheit nutzen, um dem Präsidenten und seinem Kulturminister ausdrücklich für das zu danken, was in Verbindung mit den Frankfurter Kirchenfenstern ermöglicht worden ist. Ich denke, das war eine Geste, die sehr großherzig war und die in Deutschland, und nicht nur dort, in den Feuilletons unserer Zeitungen mit großer Freude aufgenommen worden ist.
Ich freue mich darüber und ich sehe es als ein Verdienst der beiden Co-Vorsitzenden an, dass hier, in den sechs Arbeitsgruppen, die es gegeben hat und weiter geben wird, die Breite der Diskussion deutlich wird. Ich denke, wir können alle zufrieden sein mit dem, was in der kurzen Zeit, in der es diesen Dialog gibt, erreicht worden ist. Wenn ich das so sagen darf, Herr Vorsitzender Gorbatschow, es ist nicht nur eine Ehre, lebenslang verpflichtet zu sein – in welchem Amt auch immer. Ein Leben lang verpflichtet zu sein, für die deutsch-russischen Beziehungen einzutreten, ist etwas, was auch über die unmittelbare aktive Zeit hinausreichen kann und hinausreichen soll und ich glaube, ganz viele Deutsche und Russen haben damit nicht die geringste Schwierigkeit, in welcher Funktion auch immer Sie gerade tätig sind. Insofern, diese Aufforderung ehrt und wird auch von ganzem Herzen befolgt werden.
In diesem Sinne noch einmal vielen Dank an beide Co-Vorsitzende, dass Sie sich um diesen Dialog verdient gemacht haben, dass Sie es sind, die ihn eigentlich befördern und führen. Wir können anregen, aber wir können ja nicht den Dialog selber führen, das wäre einer nur unter uns, und das wäre zu wenig. Also Ihnen allen ganz herzlichen Dank für Ihre Arbeit, für das Engagement, das Sie in die deutsch-russischen Beziehungen stecken. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen Geschichte kann man wirklich sagen, dass es lohnt, eine solche Perspektive in die deutsch-russischen Beziehungen zu bringen, und zwar nicht nur lohnt im streng ökonomischen Sinne – das auch –, sondern vor allen Dingen lohnt, weil dadurch die Menschen in unseren Ländern näher zusammengebracht werden und eine alte, wie ich denke, sehr emotionale, weil sehr tiefe Beziehung, damit wieder zu noch mehr Leben erweckt werden kann. Noch einmal herzlichen Dank für Ihre Arbeit und noch einmal auch hier herzlich willkommen, Wladimir Putin.

Selten: volles Vorfeld!
Selten: volles Vorfeld!
LSG-Skychefs hatte viel zu Tun.
LSG-Skychefs hatte viel zu Tun.
Insgesamt 6 große Maschinen gleichzeitig.
Insgesamt 6 große Maschinen gleichzeitig.

Flughafen Erfurt am Kapazitätslimit

Zum Gipfeltreffen zwischen den Regierungen von Russland und der BRD innerhalb der Petersburger Dialoge am 9. April 2002 war der Erfurter Flugplatz erstmals an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Während die Regierung der Bundesrepublik Deutschland mit einem ihrer Airbus A310-304ET und einem Canadair Challenger CL-601 anreisten, glich die Flotte von Staatspräsident Wladimir Putin einer Invasion: Als eigentliche russische Präsidenten-Maschine kam eine der beiden Iljuschin IL-96-300PU (RA-96012) sowie 3 IL-62M(K) und eine IL-76MD der Regierungsfluggesellschaft STC ROSSIJA zum Erfurter Flughafen. Die IL-76MD hatte noch die alte Aeroflotlackierung und transportierte die Fahrzeuge für den russischen Präsidenten. Zusätzlich waren mehrere Privatjets mit russischer Registrierung vom Typ Dassault Falcon 900 und Learjet in Erfurt. Auf dem Vorfeld sicherten zwei Bo-105 der Polizeihuschrauberstaffel Thüringen das Gelände. Ein Tornado Kampfflugzeug der Bundeswehr-Luftwaffe stand offenbar als Geleitschutz für die Präsidentenflotte zur Verfügung. 5 Hubschrauber Eurocopter Super-Puma SA-330 des BGS waren für den Flug nach Weimar am Flughafen Erfurt. Der russische Volksmund nennt das Regierungsflugzeug nicht etwa "Airforce-One", sondern Putin-Avia! Der russische Präsident kommt normalerweise mit zwei identischen  IL-96-300PU, die zweite schien aber vermutlich in der Wartung zu sein, den statt dieser kam die frühere Regierungsmaschine des Russischen Präsidenten, die IL-62M(K) mit dem Kennzeichen RA-86468, erkennbar an dem Wulst auf dem Rumpf für die erweiterte Kommunikationsausrüstung.

Der Tag in Bildern

RA-96912 im Anflug
RA-96912 im Anflug
Erstmalig steuert eine IL-96 Erfurt an.
Erstmalig steuert eine IL-96 Erfurt an.
Die Hauptfahrwerke setzen auf.
Die Hauptfahrwerke setzen auf.
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
RA-96012 IL-96-300PU
Eine der begleitenden IL-62M ist nun im Anflug.
Eine der begleitenden IL-62M ist nun im Anflug.
Die IL-62 ist eines der elegantesten Flugzeuge.
Die IL-62 ist eines der elegantesten Flugzeuge.
IL-62M(k)
IL-62M(k)
IL-62M(K)
IL-62M(K)
Gerhard Schröder berührt Erfurter Boden.
Gerhard Schröder berührt Erfurter Boden.
Der Airbus gehörte bis 1991 zur INTERFLUG.
Der Airbus gehörte bis 1991 zur INTERFLUG.
10+22
10+22
Der Airbus dockt am Passagierfinger an.
Der Airbus dockt am Passagierfinger an.
Putin brachte 1x IL-96, 3x IL-62 und eine IL-76 nach Erfurt.
Putin brachte 1x IL-96, 3x IL-62 und eine IL-76 nach Erfurt.
Volles Vorfeld in Bindersleben.
Volles Vorfeld in Bindersleben.
Volles Vorfeld in Bindersleben.
Volles Vorfeld in Bindersleben.
LSG bringt Verpflegung für den Rückflug.
LSG bringt Verpflegung für den Rückflug.
Die IL-96 hat übrigens einen der größten Rumpfdurchmesser.
Die IL-96 hat übrigens einen der größten Rumpfdurchmesser.
Auch die IL-62M(k) werden Dienstbereit gemacht.
Auch die IL-62M(k) werden Dienstbereit gemacht.
A310-304ET
A310-304ET
Betankt und ausgerüstet übernachten die Flugzeuge in Erfurt.
Betankt und ausgerüstet übernachten die Flugzeuge in Erfurt.
Es gibt zwei identische IL-96-300PU.
Es gibt zwei identische IL-96-300PU.
Für den Transport zwischen Erfurt und Bindersleben stehen insgesamt 5 Hubschrauber des BGS zur Verfügung.
Für den Transport zwischen Erfurt und Bindersleben stehen insgesamt 5 Hubschrauber des BGS zur Verfügung.
Diese IL-76MD brachte die Präsidenten-Limousine.
Diese IL-76MD brachte die Präsidenten-Limousine.
IL-76MD RA-78830
IL-76MD RA-78830
Am 10.April 2002 erfolgt die Abreise nach Moskau-Wnukowo.
Am 10.April 2002 erfolgt die Abreise nach Moskau-Wnukowo.
Der Klang der Solowjew D-30KP Triebwerke ist herrlich!
Der Klang der Solowjew D-30KP Triebwerke ist herrlich!
Es gibt insgesamt nur sehr wenige IL-96.
Es gibt insgesamt nur sehr wenige IL-96.

Russlands Regierungsflotte

Die Flugzeuge für den russischen Präsidenten und weiterer Regierungsmitglieder werden betrieben von der State Transport Company Rossija (STC Rossija). Diese Fluggesellschaft ging hervor aus der am Flughafen Moskau-Wnukowo ansässigen Aeroflot-Niederlassung für Sonderflüge der Regierung, die seit 1956 besteht. Der Name Aeroflot sagt dabei aus, das diese Gesellschaft innerhalb der zivilen sowjetischen Luftflotte bestand. Als Aeroflot wurde so ziemlich alles in der Sowjetunion bezeichnet, was als Flugzeug zivil betrieben wurde. Jede Stadt mit Flughafen hatte eine Aeroflot-Niederlassung, also sozusagen seine "eigene Aeroflot". Beispielsweise ist die heutige Aeroflot-Russian International Airlines die frühere Aeroflot-Niederlassung Moskau-Domodedowo. Pulkovo Airlines ist die frühere Aeroflot-Niederlassung Sankt-Petersburg (Früher: Leningrad).Neben dieser zivilen Regierungsflotte gab es natürlich auch die militärische Regierungsflotte. Diese Flugzeuge wurden aber ebenfalls mit zivilen Kennzeichen betrieben, dienten aber vorrangig dem Transport hoher Militärangehöriger. Außer den Regierungsflugzeugen betreibt Rossija auch "normale" Passagierflugzeuge und vermitet darüber hinaus auch VIP-Jets. Seit 2006 ist Rossija mit Pulkovo-Airlines fusioniert bzw. hat Pulkovo geschluckt. Der Sitz von der weiterhin Rossija genannten Fluggesellschaft ist nun formell Sankt-Petersburg, aber die meisten Flugzeuge sind in Moskau stationiert. Während die normalen Flugzeuge von Rossija am Seitenleitwerk die russische Flagge tragen, wurde bei den Regierungsflugzeugen an der geleichen Stelle das russische Wappen aufgebracht. Für die sowjetische Regierung betrieb man die Flugzeugtypen Iljuschin IL-18, Tupolew 104, TU-124, TU-134 und TU-154 sowie IL-62. Nach dem Ende der Sowjetunion im neuen Russland betreibt man nahezu alle zur zeit verfügbaren sowjetisch/russischen Flugzeugentwicklungen, außer IL-86. Selbst die Antonow AN-124 gehörte in den 1990er Jahren zur Flotte. Als Frachter verwendet man heute jedoch nur noch die Iljuschin IL-76. Seit einigen Jahren gehören auch Boeing 767 und Airbus A319 zur Flotte. Durch die Fusion im Oktober 2006 mit der Sankt Petersburger Fluggesellschaft Pulkovo Airlines ist Rossija nach Aeroflot-RIA die zweitgrößte Fluggesellschaft in Russland.

Die Flugzeugtypen der Russischen Regierungsflotte.

Iljuschin IL-96-300PU:

Iljuschin IL-96-300PU
Iljuschin IL-96-300PU
Ursprünglich als IL-86D, also der Langstreckenversion der IL-86, entworfen, gab es soviele Änderungen gegenüber dem Ausgangsmuster, das man eine neue Bezeichnung für diese vierstrahlige sowjetische Entwicklung für gerechttfertigt hielt. Die Ursprungsversion ist die IL-96-300, die auch als basis für die IL-96-300PU dient. Gegenüber der IL-86 unterscheidet sich dieses Modell durch ihren kürzeren Rumpf, der wesentlich größeren Spannweite, Triebwerken des Typs Perm Motors PS-90 anstatt Kusnetzow NK-86 und dem des kürzeren Rumpfes geschuldeten höheren Seitenleitwerks. Die IL-96-300PU unterscheidet sich von der IL-96-300 durch den Antennenwulst auf dem Rumpf und der vielen Sichelantennen. Dieses Großraumflugzeug war gedacht als Ersatz der in die Jahre kommenden IL-62 gedacht und sollte vor allem im RGW und der Sowjetunion in einer Liga mit der MD-11 und dem Airbus A330 und A340 sowie der Boeing 747 spielen. Immerhin gibt es varianten für eine Doppelrumpfmaschine ähnlich des Airbus A380 (IL-96-550) oder auch als IL-98 mit nur zwei Triebwerken. Während letztgenannte Versionen nicht das Reißbrett verlassen haben, wurden die Variante IL-96M (Passagierflugzeug) und IL-96T (Frachter) mit verlängertem Rumpf gebaut. Wenngleich nur in jeweils einem Exemplar. Diese Flugzeuge waren mit Triebwerken von Pratt & Whitney und Avionik von Rockwell-Collins ausgerüstet. Eine ungesicherte Finanzierung und amerikanische Vorbehalte brachten das Unternehmen zum Scheitern. Iljuschin gab nicht auf, und rüstete die schon gebauten Flugzeuge mit verbesserten PS-90a2 Triebwerken aus und rüstete eine verbesserte russische Avionik ein. Das nun als IL-96-400 bzw. IL-96-400T genannte Flugzeug erkauft sich zwar nur schleppend, aber Iljuschin ist noch am Markt. Über die Ausrüstung der IL-96-300PU ist nur wenig bekannt.

Iljuschin IL-62M Salon:

Iljuschin IL-62M(k) Salon
Iljuschin IL-62M(k) Salon
Gegenüber einer normalen IL-62M exisitiert äußerlich kein Unterschied. Allerdings besitzen die IL-62M Salon der Russischen Regierung eine erweiterte Kommunikationsausrüstung, dessen Antennen in einem Wulst auf dem Rumpf ein gebaut sind. Bis 1997 wurde dieser Typ als Präsidentenmaschine verwendet. Mit Zulauf der ersten IL-96-300PU wurde die IL-62M Salon zum "Ersatzflugzeug" degradiert. Seitdem auch die zweite IL-96-300PU in Dienst gestellt wurde, dient die IL-62M Salon für Politiker der 2.Reihe. Allerdings, wenn eine der IL-96 in der Werft ist, wird die IL-62M Salon wieder zur Ersatz-Präsidentenmaschine oder gar, wie 2004 zur Präsidentenmaschine. Damals waren wegen technischen Problemen alle IL-96 vorrübergehend aus dem Verkehr gezogen worden. Die IL-62M Salon besitzen Zusatztanks im Frachtraum, um die Reichweite zu vergrößern.

Iljuschin IL-62M(k)
Iljuschin IL-62M(k)
Iljuschin IL-62M:

Einige IL-62M in der Passagierausführung werden bei den Regierungsfliegern für den Transport von mitreisenden Regierungsvertretern und akredidierte Journalisten bei Staatsbesuchen verwendet. Diese Flugzeuge tragen auch das Staatswappen am Seitenleitwerk, besitzen aber nicht den "Antennen-Buckel". Die IL-62M besitzen Zusatztanks im Frachtraum, um die Reichweite zu vergrößern.

Tupolew TU-154M
Tupolew TU-154M
Tupolew TU-154M:

Für die gleichen Zwecke wie die IL-62M werden für kürzere Strecken auch einige TU-154M betrieben. Unter diesen Flugzeugen gibt es auch Ausführungen mit einem Rumpfwulst für die Aufnahme von Spezialantennen für abhörsichere Kommunikation.

Mi-8T der NVA.
Mi-8T der NVA.
Mi-8MS:

Dieser Hubschrauber wird nur für Kurzflüge innerhalb Moskaus oder Sankt-Petersburgs verwendet. Etwa vom Kreml zum Flughafen. Es handelt sich dabei handelt es sich um die modernisierte Grundvariante Mi-8M, als Exportmodell  ist dieser Typ als Mi-17 bekannt. Gegenüber den fast identischen Mi-8 sind hier viel stärkere Triebwerke eingebaut. Die Variante Mi-8MS besitzt eine Salon-Einrichtung (VIP-Kabine) und quadratische Fenster.

Iljuschin IL-76MD
Iljuschin IL-76MD
Iljuschin IL-76MD:

Wie der der Präsident der USA bringt auch der russische Staatspräsident seine Fahrzeuge selbst mit. Für diesen Zweck werden Militärfrachter des Typs IL-76MD eingesetzt. Interessanterweise haben diese Flugzeuge die Lackierung der alten Aeroflot und Heckbewaffnung.

Weitere Flugzeuge:

Neben den genannten Typen betreibt Rossija einige Flugzeuge der Typen Tupolew TU-134AK-3, Jakowlew Jak-40ec und Iljuschin IL-18D für nachrangige Politiker oder im VIP-Charter. Die am Anfang der 1990er Jahren beschafften Tupolew TU-204 sind nicht mehr im Dienst, dafür gelangen aber aktuell TU-214ST in die Flotte.

© 2002 by Luftfahrt-Eisenach.de
Text:
Henning Tikwe, Eisenach;
Text der Begrüßungsreden von W.Putin und G.Schröder:
 www.Petersburger-Dialoge.de
Fotos:
Lothar Röser, Erfurt;  Ray Binder, Luxemburg;, Michele Binder, Luxemburg; Jens Lewin, Berlin; Eveline Tscharntke, Berlin; Peter Gerlach, Erfurt;