Staatsbesuch der USA in Buchenwald
The President of the United Staates of America, Barack Obama
am 05. Juni 2008


Viel Aufwand für 136 Minuten als Welthauptstadt
Viel Aufwand für 136 Minuten Welthauptstadt zum Preis von etwa 2 Millionen Euro. Wobei das im Vergleich mit Sachsen recht preisgünstig ist: 13 Millionen Euro sollen die Kosten wohl in Dresden betragen. 1500 Polizisten, zum Teil auch aus Hessen und Bayern waren im Einsatz. Hinzu kommen Übernachtungskosten für die Gast-Polizisten. Andere Kosten sollen laut der Thüringer Polizei nicht angefallen sein. Zunächst gab es nur kleinere Pressesplitter darüber, dass offenbar der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika einen Besuch in Thüringen plane. Im Mai wurden die Gerüchte zur Gewissheit: "Obama kommt!" hieß es auf einmal überall. Die Vorbereitungen kamen in Gang, so natürlich auch in Dresden, das ebenfalls im Besuchsprogramm stand. Das es am Ende ein Kurzbesuch in beiden Städten wurde, konnte man ja nicht ahnen. Radiosender und Zeitungen boten USA-Fahnen zum Ausdrucken und Ausschneiden an, damit man dem "Mächtigsten Mann der Erde" zuwinken kann. Nanu?! In der DDR waren doch die Winkelemente verpönt? Nunja, ein US-Präsident ist ja auch etwas anderes. Immerhin ist es erst der zweite Besuch eines U.S.A. Präsidenten in Thüringen. Wenn man Präsident Eisenhower und Bush Senior hinzuzählt, waren es vier Besuche. Letztere waren allerdings während ihres Aufenthaltes in Thüringen entweder noch nicht Präsident oder nicht mehr Präsident.
Wird die Airforce-1 in Erfurt landen? Ja, sie wird!
Spannend war für die Flugzeugfans, den "Airplane-Spottern" vor allem die Frage, wo denn die Airforce-1 landen würde. Es kursierten diverse Gerüchte um den richtigen Landeplatz. Zunächst war die Rede von Erfurt-Bindersleben. Dann hieß es, man lande in Dresden-Klotsche und fliege von dort mit der Airforce-1 weiter nach Erfurt-Bindersleben. Die nächste Variante ging davon aus, das in Dresden-Klotsche die Airforce-1 landet und anschließend nach Ramstein fliegt. Der Präsident sollte dazwischen ausschließlich mit dem Hubschrauber fliegen. Dann war plötzlich Leipzig und auch Frankfurt/Main als möglicher Landeplatz im Gespräch. Letztendlich kam es günstig für die Luftfahrtfreunde hierzulande. In Leipzig war man sicherlich enttäuscht das die Maschine in Dresden und Erfurt landete. Die Airforce-1 landete zunächst am Vortag in Dresden. Dort gab es am Morgen des 05. Juni bereits ein Geschäftstreffen im Dresdner Residenzschloss unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Anschließend besuchte Herr Obama gemeinsam mit Stanislaw Tillich, Angela Merkel, Jochen Bohl, Helma Orosz die Dresdner Frauenkirche. Vom Flughafen Dresden-Klotsche flog Barack Obama mit der Marine-1 weiter zum nächsten Besuchspunkt Buchenwald bei Weimar. Die Airforce-1 flog in der gleichen Zeit ohne den Präsidenten nach Erfurt-Bindersleben. Dabei muss angemerkt werden, das bei diesem Flug das Rufzeichen Airforce-1 nicht verwendet wurde, denn das trägt die Boeing VC-25a, wie das Reiseflugzeug des USA-Präsidenten eigentlich heißt, nur, wenn der Präsident auch wirklich an Bord ist. Das Wetter war nicht wirklich fotogen. Andererseits, solch Fluggerät wie die VC-25a alias Airforce-1 kommt selten nach Thüringen. Die Boeing VC-25a ist eigentlich eine Boeing 747-200B, im Volksmund auch als "Jumbojet" bezeichnet. Diese Maschine wurde gemeinsam mit einer weiteren VC-25a für die Belange als Präsidenten-Maschine umgebaut. Das etwa 70 Personen fassende Flugzeug kann in der Luft betankt werden. Es ist weiterhin so ausgerüstet, dass praktisch von jedem Flugplatz der Welt der Heimat-Flughafen nahe Washingtons erreicht werden kann. Gerüchten zufolge soll dieses Flugzeug sogar über Waffen für die eigene Verteidigung verfügen.
Im Schlepptau der VC-25a auch eine Boeing C-32a in Erfurt, im zivilen Leben wird dieses Flugzeug als Boeing 757-200 bezeichnet. Es brachte weitere Regierungsmitglieder nach Thüringen und diente gleichzeitig als Ersatzflugzeug für die Airforce-1. Im Volksmund bezeichnet man dieses zweite Maschine als "Airforce-2".
Weimar und Erfurt sind fest in den Händen der USA.
Der Flughafen Erfurt nutze den Besuch Barack Obamas natürlich für seine Profilierung, wobei die Möglichkeiten, die doch aber sehr begrenzt waren durch die Sicherheitsphilosophie der amerikanischen Besucher. Man wurde gebeten "den Ball flachzuhalten".„Wir hoffen, dass der Besuch und unser Umgang mit diesem Flug sowohl der Politik als auch den Fluggesellschaften zeigt, dass Erfurt ein professioneller Partner ist und wir ein ernst zu nehmender Flughafen sind.“ sagte etwa Flughafen-Geschäftsführer Matthias Köhn, und Marketingleiter Jürgen Barthel ergänzt: „Wenn hier ein U.S. Präsident landen kann, können wir am Flughafen Erfurt mit entsprechender Unterstützung sicherlich noch ganz andere Dinge erreichen!“
Die Vorbereitungen des Staatsbesuches waren mindestens ebenso Interessant, wie der Präsidentenbesuch selbst. Im Vorfeld landeten beispielsweise 3 Transportflugzeuge des Typs Boeing C-17 "Globemaster III" in Erfurt-Bindersleben. Sie brachten unter anderem die Präsidenten-Limousine und Begleitfahrzeuge. Für die Betankung der VC-25a brachte man sogar ein eigenes Tankfahrzeug nach Erfurt. Die für den Besuch des USA-Präsidenten benötigten Hubschrauber haben die Flugrouten an den Tagen vor dem 05.06.2009 bereits mehrfach abgeflogen. In jedem Fall waren Weimar und Erfurt nach 64 Jahren wieder fest in der Hand der Amerikaner. Entlang der Protokollstrecke und im Bereich der Gedenkstätte Buchenwald war der Zutritt verboten, teilweise sogar für dortige Einwohner. 30 NM rund um Buchenwald erstreckte sich zudem ein Flugbeschränkungsgebiet. Ein 4-sitziges Reiseflugzeug, das mit einem Flugschüler zum ersten Alleinflug in Hof/Bayern gestartet war, wurde zum Luftraumverletzer und im Flugbeschränkungsgebiet von einem Eurocopter EC-155 der Bundespolizei abgefangen und zu einer Landung in Eisenach-Kindel gezwungen, wo ihn die Thüringer Polizei in Empfang nahm.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit sind noch mehr Begleitflugzeuge an solchen Reisen beteiligt. Im Dunstkreis der Airforce-1 befinden sich noch Tankflugzeuge für den Fall der Fälle, das die Airforce-1 in der Luft betankt werden muss. Dazu kommt eine Boeing E-4B, eine Maschine ebenfalls auf Basis der Boeing 747-200B und in ähnlicher Farbgebung wie die VC-25a, die in nur wenigen hundert Kilometern Entfernung von der Airforce-1 auf einem Flugplatz bereitgehalten wird. Bei der E-4B handelt es sich deFakto um das fliegende Verteidigungsministerium der USA. Im Krisenfall wird der Präsident der USA, der gleichzeitig der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte ist, in dieses Flugzeug wechseln. Zur Zeit des Obama-Besuches in Thüringen stand die Boeing E-4B auf dem Flughafen Maastricht in den Niederlanden. In der Nähe des Präsidenten ist auch immer ein Militärberater mit dem "Atomkoffer", mit dem man im Fall der Fälle einen Atomschlag auslösen kann.
Die Stretch-Limousine für den USA-Präsidenten ist ein modifizierter General Motors Cadillac DTS-L, wobei modifiziert der falsche Ausdruck ist. Genaugenommen ist nämlich die Präsidenten-Limousine lediglich dem Cadillac DTS-L nachempfunden und ist eigentlich ein Spezialfahrzeug auf Basis eines LKWs, genauer gesagt auf Basis des GMC Topkick. Im Volksmund wird die Präsidenten-Limousine als „Cadillac-One“ bezeichnet.
Nach dem Besuch von Obama war großes Aufräumen angesagt. Aber, wer in den Abendstunden noch mal am Flughafen vorbeischaute, hatte Glück: nochmals zwei Boeing C-17 Frachter holten nach dem Präsidentenbesuch das zuvor gebrachte Material wieder ab.
Wir waren dabei!
Wir von Luftfahrt-Eisenach hatten natürlich unsere Leute vor Ort und haben diesen Tag im Bild fest gehalten. Und das war aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen gar nicht mal so einfach. Der Flugplatz Erfurt-Bindersleben war Tabu. und es wimmelte von Sicherheitskräften. Aber dort stand ja Jörg Petzold mit einem Fernsehteam, der uns Bildmaterial lieferte. Lothar Röser war auch recht nahe am Flughafen in der Gemeinde Bindersleben und konnte einige Schnappschüsse liefern. Benjamin Allmrodt hatte am morgen des 05.06.2009 noch ein Radio-Interview bei MDR-1 Radio Thüringen zum Thema Flugzeugfotografie. Daraufhin meldete sich ein Erfurter Ehepaar, das nahe dem Einflugbereich des Flughafens wohnt. Von dort durfte Benjamin fotografieren. Christian Handwerck stand in Sichtweite der Gedenkstätte Buchenwald. Über das Thüringer Luftfahrtforum gaben Mitglieder, die entlang der vermutlichen Flugroute wohnten, alle paar Minuten Informationen durch, ob sich am Himmel was tut. Vielen Dank hier vor allem Thomas Kittel. Letztlich bedanken wir uns auch beim Flughafen Erfurt, der uns noch einige Schnappschüsse vom Flughafengelände während des Präsidentenbesuches zur Verfügung stellte.
Der Staatsbesuch in Zahlen
- 18 Minuten war Obama Barack in Erfurt!
- 19 Hubschrauber der U.S.Marine stehen für den Einsatz als Präsidenten-Maschine zur Verfügung und wurden dafür extra gebaut bzw.speziell umgerüstet. Bei Inlandsflügen wird der Typ Sikorsky VH-3D "SeaKing" verwendet, bei Einsätzen im Ausland fliegt man mit der Sikorsky VH-60N "White Hawk", da dieser Typ besser Luftverlegbar ist, da heist, weil sich der Hauptrotor und der Heckrotor-Ausleger Falten lässt, kann man diesen Typ besser mit einem Flugzeug transportieren. Innerhalb 2 Stunden ist ein VH-60N Transportfähig bzw. Einsatzfähig. Die Hubschrauber gehören zur Staffel HMX-1 "Nighthawk.
- 2 Millionen Euro kostet der Besuch Barack Obamas Thüringen.
- 40 Millionen Euro soll der Besuch Barack Obamas am 4. und 5.Juni 2009 in Deutschland gekostet haben, berichten mehrere Nachrichtenagenturen. Dabei sind alle Kosten eingerechnet, auch die, die der Staat USA selbst trägt.
© 2009 by Luftfahrt-Eisenach.de
Text:
Henning Tikwe, Eisenach;
Fotos:
Lothar Röser, Erfurt; Christian Handwerk, Nohra; Benjamin Allmrodt, Bad Langensalza;
Jörg Petzold, Erfurt; Jörg-Uwe Graber, Erfurt; Ray Binder, Luxemburg; Hannes Eger, Erfurt;

















